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Teil 1 - Über eine rüstige alte Dame und den Hundefänger von Mannos Heim

Diese Route führt nach ganz weit oben in den nördlichsten Teil Mannheims - für mich der schönste und ruhigste Fleck meiner Wahlheimat. Start ist an der Rheinstraße. Über Hafenstraße und Jungbuschbrücke geht es links auf die Friesenheimer Insel. Nach dem Überqueren der Schleuse folgt die Route dem Wegweiser in Richtung Sandhofen. Mit Blick auf die BASF fährt man hier über den grünen Teil der Insel, der zum Mannheimer Tierheim führt. Der ehemali-ge Gutshof wurde 1965 nach einem früheren Standort am Waldpark die neue Bleibe des 120 Jahre alten Mannheimer Tierschutzvereins. Unglaublich, dass es in den 1920er Jahren so viele streunende Hunde gab, dass Mannheim 

einen Hundefänger hauptberuflich einstellte. Tiere, die nicht von ihren Besit-zern abgeholt wurden oder nicht vermittelt werden konnten, mussten getötet werden. Das konnten bis zu 2000 Tiere im Jahr sein! Heute ist das anders. In Neckarau gibt es sogar einen Friedhof für alle unserer treuen Gefährten.

 

Die Altrheinfähre zwischen Friesenheimer Insel und Sandhofen

Am Tierheim befindet sich die Altrheinfähre, eine wahrlich rüstige alte Dame, die die Friesenheimer Insel mit Sandhofen verbindet. Hierbei sollte aber be-dacht werden, dass die Fähre nur zwischen Anfang April und Ende September (außer montags) in Betrieb ist. Sie ist das älteste noch funktionierende Fähr-schiff Deutschlands. 1897 gebaut, wird sie mit einem Dieselmotor angetrie-ben und von einer Grundkette gezogen. Die Überfahrt macht große Freude!

Nach dem Überqueren geht es links zwischen Damm und Felder den Weg ent-lang zur Theodor-Heuss-Brücke über die die A6 verläuft. Zwischen den Fahr-spuren: ein Fuß- und Radweg! Die Brücke stammt aus der Zeit des NS-Regi-mes. Der Architekt kam aus dem Umfeld des Hitler treuen Mannheimers Al-bert Speer. Auf der Mannheimer Seite hat sie sechs, auf der Frankenthaler drei Gewölbe. Das Innere ist Bunker ähnlich ausgebaut. Nach einem verhee-renden Unglück mit mehreren Toten wurde der Weiterbau eingestellt. Erst in den 1950er Jahren wurde sie fertiggestellt und für den Verkehr freigegeben.

Bei Rheinkilometer 433 verbindet die Theodor-Heuss-Brücke RP mit BW

 

Gleich hinter der Brücke führt ein Weg in Richtung B44. Über sie hinweg fol-gen südöstlich von Scharhof die Coleman Barracks. Es ist das letzte Areal, dass von der US-Army noch besetzt ist. Schweres Kriegsgerät steht hier ne-ben Äcker und Gewächshäuser des Scharhofers Landwirts Wilken Mampel. Einst war es der Flughafen Mannheims, bevor dieser nach Neuostheim ver-legt wurde (Mannheim City Airport). Viele Amerikaner dürften nicht mehr sta-tioniert sein. Die Barracken wirken zum Großteil verwaist. Zwischen ihnen und der A6: Ein riesiges Meer aus Sonnenblumen, das einem das Herz höher schlagen lässt. Über den Viernheimer Weg gelangt die Route zur Schönau und zur Tilsiter Straße, die ein Fuß- und Radweg mit der Braunschweiger Straße auf der östlichen Seite des Stadtteils verbindet. An der Ecke Lilienthalstraße geht es links in den Käfertaler Wald.

 

 

Basketballfelder auf den Coleman Baracks nahe Mannheim Scharhof

Der Käfertaler Wald ist neben dem Waldpark das beliebteste Naherholungs-gebiet der Mannheimer und mit dem Hessischen Ried-Wald flächenmäßig (100 Quadratkilometer) in der hiesigen Rheinebene. Er grenzt im Westen an Lampertheim und Bürstadt, im Osten an Lorsch und Viernheim. Man könnte sich also ordentlich in ihn verlaufen. Auch er kämpft ums Überleben. Die Trockenheit hat ihm ziemlich zugesetzt. Forster versuchen abgestorbenes Holz schnellst möglichst herauszuholen, damit sich der Borkenkäfer nicht breitmacht. Freiflächen werden neu aufgeforstet. Dabei werden auf andere Baumarten gesetzt, die im Gegensatz zur Kiefer, besser mit der Trockenheit zu recht kommen. Wir können froh sein, dass in dieser Herbst-Wintersaison große Stürme bisher ausgeblieben sind. Sie hätten mit absterbenden Bäu-men leichtes Spiel gehabt. Die Gefahr, dass sie gesunde Bäume mit entwur-zeln, wäre zudem nicht ausgeschlossen gewesen. 

Das ehemalige Wasserwerk der Zellstofffabrik am Alten Frankfurter Weg

www.die-waldgalerie.de

Es geht links über den Alten Frankfurter Weg gen Norden und nach Sandtorf. Im Gegensatz zu Mannheim ist der Name Sandtorf selbsterklärend. Er be-schreibt die Bodenbeschaffenheit am Ort. Die Geschichte Mannheims dage-gen muss mit einem Hof begonnen haben, auf dem ein Manni oder Manno mit seiner Familie gelebt und gearbeitet haben muss. Für die nächsten Nach-barn war es demnach Mannos Heim. Es folgt die Wasserwerk-Ruine der Zell-stofffabrik Waldhof. Das Wohngebäude beheimatet heute die Waldgalerie von Yvonne Toltsios, die in ihren Räumen diverse Kreativ-Workshops anbietet. Kaum den Wald verlassen folgt die Eugen-Neter-Schule, ein Anfang des 20. Jahrhunderts von Heinrich Lanz gegründetes Kinderferienheim, heute eine Einrichtung für behinderte Kinder. Wenige Meter entfernt der Hof und Ver-kaufsladen der Familie Guckert. Nachhaltige Landwirtschaft und Schweine-zucht, sowie die bio-zertifizierte Rinderhaltung zeichnen den Hof aus.

www.guckertshof.de

Das letzte Haus vor Lampertheim-Ost: neben Guckerts ein weiterer Hof

 

1. Streckenabschnitt der Route "Die Kleinen im Norden"

01  BASF-Werksgelände

02  Altrheinfähre und das Tierheim Mannheim,

       Max-Planck-Straße 101

03  Theodor-Heuss-Brücke

04  Coleman Barracks, Blumenauer Weg

05  ehemaliges Wasserkraftwerk der Zellstofffabrik Waldhof

       Alter Frankfurter Weg 21

06 Sandtorf mit Guckertshof, Alter Frankfurter Weg 36  

 

Fahrtzeit der gesamten Strecke: 2 Std. und 30 Min.

 

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