Teil 2 - Über das tragische Leben der Saisonarbeiterinnen und Zwangsarbeiter

Sandhofen war einst ein Dorf, wie einige andere Stadtteile auch, bevor sie alle nach Mannheim eingemeindet wurden. Vielleicht ist es deshalb gegenüber Schönau im Vorteil. Sandhofen hat einen intakten Kern, sprich zahlreiche Geschäfte und Restaurants, davon einige noch immer inhabergeführt. Und die sind gut miteinander vernetzt. So entstand vor über 16 Jahren die „Lange Nacht der Kunst und Genüsse“. Alljährlich im November öffnen sie von 18 bis 24:00Uhr noch mal ihre Türen, bieten Kulinarisches und Kulturelles. Dieses Event wurde zu so einem riesigen Erfolg, das es seit langem schon sich auf alle anderen Stadtteile Mannheims ausgebreitet hat.

Die Domstiftstraße führt zum neugestalteten Ortskern, den Platz „Am Stich“ mit neuem Seniorenwohnheim und Straßenbahnendhaltestelle, doch die Route biegt vorher rechts in die Karlstraße ab in Richtung Bartholomäus-straße. An der Ecke Birnbaumstraße befinden das sich Heimatmuseum und das Zeitgeschichtliche Museum in einem ehemaligen Luftschutzbunker. 

Das Seniorenwohnheim am Stich mitten im Zentrum Sandhofen

Vis á vis geht es  um den Park und anschließend in die Scharhofer Straße. Am Ende links in die Ausgasse bis zum Kreisel. Hier befinden sich zum einem die schöne Dreifaltigkeitskirche, das Rathaus und die KZ-Gedenkstätte Sandho-fen.

Es dürfte das dunkleste Kapitel in der Geschichte des Stadtteils gewesen sein, als hier 1944 mitten im Dorf ein Außenlager des KZ Natzweiler mit über 1.000 verschleppten, polnischen Männern und Jugendlichen eingerichtet wurde. Die Zwangsarbeiter waren in der damaligen Friedrichschule, heute Gustav-Wiederkehr-Schule, in der Kriegerstraße untergebracht. Seit 1990 dient das Untergeschoß als Gedenkstätte. Zahlreiche Schulen besuchten seither die Dauerausstellung. Jeden 3. Sonntag im Monat ist sie auch für Einzelpersonen kostenlos zu besichtigen.

Das Rathaus Sandhofen in der Obergasse 1 mit Gedenkstein

www.kz-gedenkstaette-sandhofen.de

www.zgma.de

 

 

Es geht weiter über die Obergasse und anschließend rechts in die Kalthorst-straße, am Freibad vorbei und raus in die Natur Richtung Altrhein. Nach Über-queren der Brücke bitte links den Weg entlang. Am südlichen Ende kehrt die Route ein Stück nach Sandhofen wieder rein und zum ehemaligen Mädchen-wohnheim von 1907. Hier wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Saisonarbeiterinnen u.a. aus Polen und Italien der nahegelegenen Süddeut-schen Juteindustrie untergebracht. Es gab große Gruppenschlafräume, einen Speisesaal, eine kleine Kapelle und einen Kreiss-Saal. Hinter dem Gebäude aus rotem Klinker befindet sich die Jute-Siedlung, die leider nicht mehr im Originalzustand ist. Das Wohnheim selbst wurde vor mehreren Jahren grund-legend saniert und bietet für mehrere Menschen eine neue Heimat. An der Siedlung vorbei führt die Route nach Überqueren der starkbefahrenen Bur-tadter Straße zur Papyrus-Kolonie, die leider auch ihren ursprünglichen Charme verloren hat. 

Das ehemalige Mädchenwohnheim von der Leinenstraße aus gesehen.

Sie wirkte schon immer auf mich wie eine Burg für Möchtegerne, die Fabrik-ruine der Süddeutschen Juteindustrie an der Sandhofer Straße. Meine Re-cherchen ergaben dann, dass es sich tatsächlich wohl um ein damaliges Sta-tussymbol für geldhungrige Unternehmer mit zu kleinem P... handelte. Denn das mächtige und geschmackvolle äußere Erscheinungsbild des Werksgelän-des war bedauerlicherweise nur Fassade. Das Unternehmen rühmte sich nicht ein guter Arbeitgeber zu sein. Das Geschäft mit Verpackungen aus Jute verlief zur damaligen Zeit äußerst gewinnbringend, aber die über 1000 Sai-sonarbeiterinnen sollten nicht davon profitieren. Im Gegenteil. So spricht man von unhygienischen und desaströsen Arbeitsbedingungen bei miserab-ler Bezahlung. Es kam zu Streiks, die aber Kündigungen nach sich zogen. Die Frauen waren gegenüber ihren Arbeitgebern machtlos. Heute belegen meter-hohe Papierstapel vor der Burg, dass die SCA das Areal es sich einverleibt hat. Weitere Werksgebäude von einst vielen dem Abrissbagger zum Opfer. 

Die Fabrikruine der Süddeutschen Juteindustrie in der Sandhofer Straße

 

Obwohl nun die Route entlang der Straße verläuft macht es auf dem neuen Radweg Spaß zu fahren. Rechts der idyllische Altrhein und die Friesenheimer Insel, links 100 Jahre Industriekultur. Besonders hervorzuheben sei noch der Zwillingswasserturm der ehemaligen Papyrus-Fabrik. Er dürfte in der Rhein-Neckar-Region einzigartig sein und wird hoffentlich noch lange ein lebendi-ges Zeugnis der Industrialisierung und der Weiterentwicklung der Menschen sein.

Während Sandhofen Engagement gegen das Vergessen zeigt, blickt Schönau nach vorn. Durch die zahlreichen Sanierungsarbeiten der Stadt wurde schon viel erreicht. Aber Schönau braucht mehr. Eine neue Mitte. Einzelhandel, Poststelle, Gastronomie, Fitnessstudio. Das macht einen Stadtteil neben der Nähe zur Natur für junge Familien attraktiv!

Die Route gelangt an die von der Sandhofer Straße abgehende Zellstoff-straße. Ab hier geht es wieder auf dem selben Weg zurück.

Der Zwillingswasserturm der Papyrus-Fabrik nahe der Sandhofer Straße

 

2. Streckenabschnitt der Route "Von dunklen Wolken und wahren Licht-blicken"

01  Zentrum Sandhofen, Am Stich

02  Zeitgeschichtliches Museum, Birnbaumstraße 36

03  KZ-Gedenkstätte in der Gustav-Wiederkehr-Schule, Kriegerstraße 28, das

      Rathaus Sandhofen in der Obergasse 1 und die Dreifaltigkeitskirche in der

      Kirchgasse 3

04  ehemaliges Mädchen Wohnheim an der Leinenstraße, dahinter die Jute-

      Siedlung

05  ehemalige Papyrussiedlung in der Neurottstraße

06  ehemaliges Burg-ähnliches Fabrikgebäude der süddeutschen

      Juteindustrie, Sandhoferstraße 200

07  der Zwillingswasserturm der ehemaligen Papyrusfabrik, Sandhoferstraße

 

Fahrtzeit der gesamten Strecke: 1 Std. und 30 Min.

 

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