Teil 1 - Über das bekannteste Küchentuch und ein erfolgsversprechender Name

Diese Route erzählt von dunklen Wolken, die einst über Mannheim hingen, aber auch vom Engagement der Bürger und der Stadt, das heute Sandhofen und Schönau zu lebens- & liebenswerten Stadtteilen macht. Startschuss  ist wieder an der Kurpfalzbrücke. Über Alten Meßplatz und Max-Joseph-Straße geht es in Richtung Herzogenriedpark und Neuer Meßplatz. Dann weiter über den Schulhof der IGM und nach dem Überqueren der Herzogenriedstraße über die Gertrud-Bäumer-Straße. Rechts hoch über die Luzenbergstraße, anschließend folgt schräg links am Wasserturm Luzenberg die Sandhofer Straße. Immer geradeaus am Altrhein entlang bis es rechts in die Zellstoff-straße geht.

Carl schien im 18. und 19. Jahrhundert in Mannheim ein beliebter Vorname gewesen zu sein, denn nach Kurfürst Carl-Theodor, Carl Freiherr von Drais, Carl Benz, Carl Reuther und Carl Bopp, folgen nun die nächsten: Der Mannhei-mer Carl Haas gründete mit Carl Klemm 1884 hier die Zellstofffabrik Waldhof.

Eines der älteren Fabrikgebäude der Zellstofffabrik Waldhof (heute: Essity)

Mehrere Generationen werden in der Geschichte des Unternehmens die Ge-schäftsführung inne haben und für die Erfolgsgeschichte verantwortlich sein. Etliche Produktionsstandorte kommen in Deutschland und Europa dazu. Von beiden Kriegen erholte sich das Unternehmen wieder rasch, obwohl viele Be-reiche der Anlagen zerstört wurden. Als ein Großteil der Belegschaft im zwei-ten Weltkrieg an die Front muss, übernehmen Frauen und Zwangsarbeiter die Arbeit. Die benachbarte Papyrus-Fabrik, die die Zellstoffe weiter zu Papier-produkten verarbeitet hatte, wurde übernommen. Ende der 1960er Jahren kommt das wohl bekannteste Einmaltuch auf den Markt: Das Küchentuch ZEWA (ZEllstofffabrik WAldhof). 1996 übernahm das schwedische Unter-nehmen SCA die Zellstofffabrik. 2017 spaltete sie sich in zwei börsennotierte Unternehmen auf. Die in Mannheim ansässige Hygienesparte heißt seitdem Essity. In der Zellstoffstraße befinden sich noch acht Häuser der Werksarbei-tersiedlung, renovierungsbedürftig, ja, aber immer noch voller Charme!

Werksarbeitersiedlung der Zellstofffabrik-Waldhof in der Zellstoffstraße

Es geht westlich des Käfertaler Waldes auf die Schönau. Sie ist neben der Neckarstadt West der Stadtteil, dem leider nach wie vor ein schlechtes Image anhängt. Meist mit einem abwertenden Lächeln spricht man im tiefsten man-nemerisch von der "Tschänau". Aber wie so oft, sind es Menschen von außer-halb, die selbst noch nie dort waren. Die Medien erledigen den Rest. So geriet Schönau in den 1990er Jahren in den Schlagzeilen, als rechtsorientierte Bür-ger eine Flüchtlingsunterkunft bedrohten. Auch die AfD ging hier in der Ver-gangenheit erfolgreich auf Stimmenfang. Das bleibt pauschal in den Köpfen der Menschen hängen. Allerdings gehört auch zur Wahrheit, dass die Stadt Mannheim in den letzten Jahren viel Geld in den Stadtteil investiert hat. So wurden die Schulen und viele Gebäude der GBG grundsaniert. Viele Zweck-bauten erhielten ein freundliches Erscheinungsbild. Zudem wurde eine Ska-teranlage an der Lilienthalstraße errichtet, die sich bis heute großer Beliebt-heit erfreut. Jeder Wandel braucht seine Zeit. Auch auf der Schönau. 

Häuserzeile in der Stettiner Straße

Also: Nach der SCA erst unter dann über die Brücke zur Stettiner Straße, von der ein Rad- und Fußweg abgeht, der zuerst durch einen Grünstreifen zwi-schen Gewerbegebiet und Schönau führt. Danach rechts über den Loslauer Weg und zum Posener Platz. Er ist einer von zahlreichen Grünflächen, die im  Stadtteil zu finden sind. Der Startschuss für die Bebauung der Schönau erfol-gte in den 1930er Jahren durch die Nationalsozialisten. Bevor das Areal an die Stadt Mannheim überging, gehörte es der Pflege Schönau, einer Verwa-tung der Besitztümer des 1558 aufgehobenen Klosters Schönau im Oden-wald. Rund um den Posener Platz stehen noch zahlreiche dieser ersten Sied-lungshäuser mit Fachwerk und rotem Dach, die anfangs von der Bevölkerung nicht angenommen wurden. Weiter nördlich folgt der Lena-Maurer-Platz, der das Zentrum bildet. Allerdings ist der Einzelhandel spärlich gesät. Nur zwei "Grüne Wiesen" am Stadtrand, einmal süd-östlich und einmal westlich der Schönau, versorgen die Bewohner mit Artikel des täglichen Badarfs.

Die Schönauer Siedlung rund um den Posener Platz

Nahe des Zentrums befindet sich die Schönau-Schule, die älteste öffentliche Einrichtung des Stadtteils. Allein die Schuluhr am Turm ist ein Hingucker! Der Kattowitzer Zeile weiter folgend, erreicht man die Endhaltestelle der Linie 1. Kurz darauf geht links die Heilsberger Straße ab, mit Überqueren der Königs-berger Allee geht’s rauf aufs Feld. Der Weg endet im südlichen Teil des Lilien-thal-Centers, einem großen Einkaufsareal.

Gegenüber befindet sich der Zentrale Mannheimer Lehrgarten. Die von der Stadt Mannheim geförderte Einrichtung vereint Beschäftigungsförderung, Umweltschutz und Umweltpädagogik in einem. Der Garten gehört in vielen Schulen zum festen Unterrichtsplan. Auch Kindergärten und Jugendeinrich-tungen nutzen das Angebot, sich mit den Grundlagen der Pflanzen und deren Pflege und Schutz vertraut zu machen. Mit Überqueren der B44 erreichen wir Sandhofen und den zweiten Abschnitt dieser Route.

 

Die Schönau-Schule in der Kattowitzer Zeile 68

 

1. Streckenabschnitt der Route "Von dunklen Wolken und wahren Licht-blicken"

01  Siedlung der Zellstoff-Fabrik Waldhof, altes Fabrikgebäude mit  

       Wasserturm, Zellstoffstraße

02  Siedlerhäuser rund um den Posener Platz und Bunker am Lena-Mauer-

       Platz

03  Schönau-Schule, Kattowitzer Zeile 68

04  Skateranlage, Lilienthalstraße

05  Zentraler Mannheimer Lehrgarten, Lilienthalstraße

 

Fahrtzeit der gesamten Strecke: 1 Std. und 30 Min.

 

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