Teil 5 - Autofreie Quadrate. Funktioniert das?

Mir ist es ja persönlich völlig schnuppe, welche Partei mit der Idee, zusätzliche Fußgängerzonen in den Quadraten zu errichten, den Anstoß gab. Es ist nämlich nicht zielführend. Hauptsache ist, dass alle endlich erkannt haben, das sie gebraucht werden! Und das nicht nur der Attraktivität wegen. Jetzt mit der Sperrung der Hochstraße Süd in Ludwigshafen sieht man tagtäglich, wie Pendler sich noch mehr ihren Weg durch Freßgasse, Kunststraße und Klein Istanbul (das im übri-gen auch zur Fußgängerzone erklärt werden sollte!) bahnen, weil der Innenstadtring eh schon überlastet ist. Die einkaufsstarke Adventszeit tat im Dezember des vergangenen Jahres sein übriges. 

Das war nicht schön.

Aber worum geht es den Parteien, wenn sie von einer "autofreien Innenstadt" sprechen?

Wollen sie, dass die Menschen zukünftig zum Einkaufen und Arbeiten in den Quadraten ausschließlich die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen?

Oder wollen sie endlich verhindern, dass die Quadrate und der Innenstadtring weiterhin als Durchfahrtsstraßen - aus welchen Gründen auch immer - mißbraucht werden? Das sind nämlich zwei verschiedene Paar Schuhe!

Ich möchte als Bewohner dieser Stadt beides! 

Aber: Die Stadt Mannheim und wir Bürger selber können nicht erwarten, dass Menschen benachbarter Kommunen nur mit den öffentlichen Verkehrsmittel nach Mannheim fahren. Im Gegensatz zu uns sind sie aufgrund ihres Wohnorts auf das Auto angewiesen. Und noch was muss uns allen klar sein. Eine richtige autofreie Innenstadt wird nicht möglich sein.

Aber vielleicht findet sich ein Kompromiss.

Bewohner aus Richtung Heidelberg und Bergstraße erreichen über zahlreiche Zufahrten ihren Arbeitsplatz in Mannheim ohne dabei durch die Quadrate fahren zu müssen. Nach Ludwigshafen stehen ihnen A6 und A61 zur Verfügung. Bewohner der Pfalz erreichen über die B36, und somit außerhalb der Quadrate, ihren Ar-beitsplatz im Süden Mannheims. In Richtung Norden würde eine Westtangente Abhilfe schaffen und den Luisenring entlasten (siehe Kommentar: Alles im Fluss?).

Kommen sie aber in ihrer Freizeit nach Mannheim sieht es anders aus. Wie bekommt man also eine weitestgehend autofreie Innenstadt hin?

In dem kein Parkplatzangebot vorhanden ist. Punkt.

Stellen wir uns einen Freizeitpark vor. Da sind die PKW-Stellflächen außerhalb der Anlage. Täglich verbringen tausende Menschen dort ausgelassen Zeit mit ihrer Familie oder mit Freunden. Sie flanieren über (autofreie) Straßen, besuchen Shops und kaufen was ein, genießen ihr mitgebrachtes oder gekauftes Essen draus-sen an einem schattigen Platz oder vor den zahlreichen Imbissen und Restaurants auf der Terrasse, und hier und da nehmen sie die eine oder andere Fahr- oder Spielattraktion mit. Danach verlassen Sie glücklich und zu frieden den Park und fahren mit ihrem Auto wieder nach Hause. Lässt sich dieses Gedankenspiel nicht auch auf die Mannheimer Quadrate übertragen?

Was brauchen wir dazu?

Richtig. Neue Parkhäuser!

Bis auf wenige Privatanbieter, wie z.B. Q6/Q7 (1300 Stellplätze), Rosengarten/Dorint (insgesamt 830), Galeria Kaufhof/Saturn in N7 (an die 540) und Bauhaus (ca. 500), gehören die meisten Stellplätze in den Quadraten und am Ring den Mannheimer Parkhausbetrieben. Insgesamt sind es an die 4600 Stellplätze auf 17 Park-häuser/Parkplätze verteilt (ohne Hbf)! Das heißt im Schnitt sind es 270 pro Parkhaus. Sehr klein im Vergleich zu Q6/Q7 mit 1300 Stellplätzen. Dazu fördern sie nicht nur die Irrfahrten durch die Quadrate nach einem Parkplatz. Die meisten entsprechen auch nicht mehr der heutigen Zeit. Laut ADAC sollte ein Parkhaus eine Einfahrtshöhe von 2 bis 2,10m haben, die Parkplatzbreite liegt bei 2,5m. Das moderne Parkhaus ist bestens beleuchtet und Wege sind gut gekennzeichnet. Es sollten zahlreiche Mutter/Kind, Frauen- und Behindertenparkplätze und bedienerfreundliche Automaten für alle geben, wie es z. B. das Bauhaus-Parkhaus schon hat.

Um all diese Anforderungen umsetzen zu können, müssten die Mannheimer Parkhausbetriebe viel Geld in die Hand nehmen, um ihre Parkhäuser auf den neusten Stand bringen zu können. Wäre das Geld nicht besser in den Bau neuer Komplexe aufgehoben? Parkhäuser, oder noch besser Tiefgaragen, die um den Ring he-rum neu gebaut werden?

Flächen gibt es dafür. Angefangen mit der schon vorhandenen Tiefgarage unterm Wasserturm.

Das Technische Rathaus im Collini-Center ist marode und soll abgerissen werden. Ein neuer Komplex gilt als wahrscheinlich. Hier bestünde vielleicht die Möglich-keit, die Stellplätze von 650 auf das doppelte zu erhöhen (attraktiv ist für den Besucher auch die Lage direkt am Neckar, da sie zum Flanieren einlädt).

Wie sieht es im Jungbusch aus? Wäre da auch was möglich? Ich hätte da eine Idee und Besucher würden es begrüßen, wenn sie auf dem Rückweg zum Parkhaus, noch im Jungbusch was essen oder trinken könnten.

Und auch der Friedrichspark wäre eine Überlegung wert. An der Stelle des ehemaligen Eisstadions ließe sich sicher auch eine Tiefgarage errichten mit einigen hundert Stellplätzen (ein Plus auch für alle Schloss, Jesuitenkirche, und Museumsbesucher, die bisher in den Quadraten einen Stellplatz suchen mussten). Im Zuge dessen, erhielte der Friedrichspark auch die gewünschte Aufwertung und wird von Bürgern und Besuchern gleichermaßen frequentiert.

Fazit: Anstelle von kleinen Parkhäusern, verteilt auf den gesamten Bereich der Quadrate, auf große Tiefgaragen am Ring setzen!

Da bis auf den Parkring und der Großteil der Bismarckstraße (aber das ließe sich sicher auch ändern) alle anderen Abschnitte von den Straßenbahnen bedient werden, hätten die meisten Besucher auch die Möglichkeit mit ihnen direkt zum Paradeplatz zu fahren. Ein kostenloses Kurzstrecken-Ticket innerhalb der Qua-drate inkl. Ring, wie es Augsburg nun für seine Innenstadt eingeführt hat, wäre zu überlegen. Dabei würde es sich aktuell, einschließlich Hbf, um 16 Haltestellen halten. Die Parktickets der o.g. Tiefgaragen der Mannheimer Parkhausbetriebe dienen dabei als Fahrschein, wie die Eintrittskarten von Nationaltheater und SAP-Arena, mit denen man ebenfalls am Veranstaltungstag kostenfrei die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen darf. Wäre so eine Kooperation zwischen der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH und den Mannheimer Parkhausbetriebe nicht sinnvoll?

Was wäre die Folge?

Die veralteten Parkhäuser könnten abgerissen, neuer Wohnraum oder Grünflächen (z.B. Swanseaplatz) geschaffen werden. Bestehende Parkhäuser könnten aber auch an Bewohner der Quadrate vermietet werden! Stellflächen an den Straßen, bis auf Behindertenparkplätze und Freiflächen für den Lieferverkehr, würden demnach größtenteils wegfallen. Weitere Straßen neben Kunststraße, Freßgasse und Klein Istanbul könnten ebenerdig und barrierefrei ausgebaut werden, und zu Fußgängerzonen erklärt werden. Ein großer Vorteil für alle, die sich entscheiden, sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad in die Quadrate aufzumachen.

Also. Lieber Gemeinderat, mach aus den Quadraten einen Freizeitpark! Und das nicht nur probehalber an Wochenenden. Das ist albern. Es braucht eine neue Parkplatzinfrastruktur. Es hilft nix. Eine autofreie Innenstadt gibt es nicht kostenlos! Es muss Geld dafür in die Hand genommen werden. Viel Geld. Aber es ist die einzige sinnvolle Investition -  umwelt-, sozial- und wirtschaftsverträglich!

Wie bekommt man für mehr Lebensqualität die Autos aus den Quadraten?

Bild: Rangierbahnhof Mannheim

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Kommentare: 3
  • #1

    Jürgen (Donnerstag, 16 Januar 2020 16:02)

    hallo, ich habe einen Dauerparkplatz auch beruflichen Gründen in Mannheim. Ein Dauerparkpaltz im schicken Parkhaus Q6/Q7 kostet 250€ im Monat. Im etwas abgerantzten Parkhaus im Stradthaus 130€/Monat. Klar Q6/Q7 ist heller schicker größer aber wen ich das doppelte bezahlen muss nur für Parken das ist es mir dann nicht wert.
    Die meisten jammern ja jetzt schon über die Parkhausgebühren, was ich personlich übertrieben finde. wenn die dann ales sauber, schick, groß und hll sind und dann das doppelte kosten?

  • #2

    Peter (Samstag, 18 Januar 2020 18:44)

    Hallo Jürgen!
    Vielen Dank für Deine Meinung!
    Das überrascht mich. Laut Internetseite der Mannheimer Parkhausbetriebe würde ein Dauerparkplatz in N1 105,- Euro kosten. Was Du zahlst, ist ja einiges mehr.
    Ich finde es gut, dass es für Dich selbstverständlich ist, einen Stellplatz in einem Parkhaus zu mieten.
    Das Parkhaus von Q6/Q7 wird nie ein Parkhaus nur für Anwohner und für Menschen mit Arbeitsplatz in den Quadraten werden, da es privat geführt wird. Ich hatte es nur vorgehoben, da es 1300 Stellplätze anbietet, im Gegensatz zu den Mannheimer Parkhausbetriebe. Und 230,- Euro, wie Du schreibst, sind deutlich zu viel, da gebe ich Dir recht.
    Es bleibt abzuwarten, wie sich die Quadrate in den nächsten Jahren weiterentwickeln.
    Alles Gute Dir!
    Peter

  • #3

    donthurtm3 (Sonntag, 13 September 2020 21:42)

    Wieder wird nur debatiert und bla bla bla anstatt einfach zu machen. Die Innenstädte werden immer voller. Von Morgens bis Abends ist Stau und dadurch verpesten sie die Luft. Niccht nur dass die Luftqualität unter aller Sau ist, es gibt auch jede Menge Lärmbelästigung. Es ist für die Anwohner Stress pur und Stress macht krank. Als jemand der in der Innenstadt wohnt, wünsche ich mir nichts mehr als die ganzen Poser, die aus den Dörfern der Umgebung nach Mannheim fahren und zeigen wollen wie cool sie sind, aus der Stadt zu bekommen.