Teil 3 - Über kackendes Federvieh und den Duft von Bärlauch

Das nächste Teilstück ist bekannt. Es geht vorbei am alten Pumpwerk Necka-rau, dem Gartenhallenbad, durch die Kleingartenanlage und hoch auf den Rheindamm. Nach dem äußerst beliebten Ausflugslokal „Estragon“ der Kanu-Gesellschaft Neckarau e.V. in einem fast 100 Jahre alten Bootshauses mit großem Biergarten geht es links über den neuen Radweg hinunter zur Silber-pappel, einer, gerade bei Studenten, zum Verweilen oder Baden (diese Info habt ihr nicht von mir) sehr beliebten Bucht am südlichsten Zipfel des  Wald-parks.

Doch Obacht! Auch hier an der Silberpappel kann es an schwül-warmen Som-merabenden, wie an vielen anderen Stellen des Oberrheins zur Schnaken bzw. Mückenplage kommen. Der Feierabendliche Ausklang mit Freunden könnte dann unangenehm länger in Erinnerung bleiben, als eigentlich ge-wünscht.

Die Silberpappel ist mit dem Auto über Kiesteichweg zu erreichen, mit dem Fahrrad durch den Waldpark ist der Weg aber schöner...

Nur einen Katzensprung entfernt folgt das Strandbad. Alteingesessene Mann-heimer schwören auf das 90 Jahre alte kostenlose Freizeitareal am Rhein mit Kultstatus und berichten von unbeschwerten Stunden am feinen Kiesstrand in ihrer weniger leichten Jugend. Mit der Familie oder mit Freunden sieht man sie auf alten schwarz-weiß Bildern freudig und kniehoch im Wasser plantschen. Seit 1978 ist das Schwimmen im Rhein ganz tabu. Anfangs wegen der miserablen Wasserqualität, heute sind es die gefährlichen Strömungen, die verantwortlich dafür sind, dass die Stadt Mannheim, das Verbot aufrecht erhält. Allerdings muss wohl der Charme von einst vor geraumer Zeit Baden gegangen und mit dem Rhein flussabwärts getrieben worden sein. Massen-weise Wildgänse haben das Strandbad in Beschlag genommen und hinter-lassen ihre Hinterlassenschaften. Allein vom Restaurant auf Stelzen aus, kann man mit Blick auf die vorbeiziehenden Schiffe entschleunigen.

 

Das Strandbad Neckarau

Ein Teil des Waldparks bildet die Reissinsel. Carl Reiss, Unternehmer und Poli-tiker, war Sohn des Mannheimer Oberbürgermeisters Friedrich Reiss und mit Bertha Engelhorn, Tochter des BASF-Gründers, verheiratet. Er erwarb 1881 das 100ha große Gebiet. Ursprünglich war der Abbau von Ton geplant. Doch von der Schönheit der Natur ergriffen, entschied er sich anders und machte die Insel für die Mannheimer öffentlich zugänglich. In seinem Nachlass über-trug er die Verantwortung an die Stadt und forderte die Erhaltung der Insel auf ewige Zeiten. Auf der Reissinsel wird kein forstwirtschaftlicher Eingriff vorgenommen. Sie ist sich selbst überlassen. Zahlreiche seltene Vogelarten nisten hier im Frühjahr, weswegen die Insel für diesen Zeitraum für die Bevöl-kerung gesperrt ist. Carls Schwester Anna Reiss war eine große Kammer-sängerin und setzte sich in Mannheim für soziale und kulturelle Belange ein. So geht die Gründung des städtischen Museums auf sie und ihrem Bruder zurück. Es ist das heutige Zeughaus in C5, das mit weiteren Einrichtungen die Reiss-Engelhorn-Museen bildet.                        Streuobstwiese auf der Reissinsel

 

Der Waldpark ist der Rückzugsort der Mannheimer schlechthin. Zum Spazier-gehen, zum Joggen, zum Fahrradfahren. Leider trifft man auch auf einige Elektroroller an, die seit Sommer 2019 ebenfalls in Mannheim ihr Unwesen treiben. Waldhütten und Lichtungen laden zum Verweilen ein. Im Frühjahr begleitet der Duft von Bärlauch die Besucher. Doch dem Wald drohen ein-schneidende Veränderungen. Zur Ertüchtigung des angrenzenden Rhein-damms, sollen über 1.000 Bäume dem Kahlschlag zum Opfer fallen. Insbe-sondere die Bürger des Lindenhofs und Neckaraus haben sich formiert. Bür-gervereinigungen kämpfen gegen die Pläne des Regierungspräsidiums Karls-ruhe an. Die Route führt weiter durch den Waldpark zum Stephanienufer mit der Statue der Großherzogin Stéphanie Louise Adrienne de Beauharnais.  Von dort aus geht es über die Rheinterrassen und den vermeintlichen Schloss-garten zurück zum Ausgangspunkt.

 

Eine Lichtung im Waldpark

 

3. Streckenabschnitt der Route "Wasserreiches Rheinau, geliebter Waldpark"

01  Silberpappel, über Kiesteichweg zu erreichen

02  Strandbad Neckarau, Strandbadweg

03  Reißinsel, über Strandbadweg zu erreichen

04  Statue Großherzogin Stéphanie Louise Adrienne de Beauharnais,

       Stephanienufer

 

 

Fahrtzeit der gesamten Strecke: 2 Std. und 10 Min.

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