Teil 1 - Über Heimatgefühle und der Weg zum Erfolg

Auf dem erneuten Weg in den Süden Mannheims sind u.a. der Stadtbezirk Rheinau und der Waldpark Ziele dieser Route. Start ist am Schloss. Über die Schlossgartenstraße gelangt man zum Hauptbahnhof. Mannheims erster Bahnhof ging 1840 in Betrieb. Er befand sich am heutigen Tattersall. Schnell zeigte sich, dass er dem rasanten Anstieg von Zugverbindungen nicht stand-halten würde. Zudem plante man eine Brücke über den Rhein, die Mannheim mit Ludwigshafen verbinden sollte - die Konrad-Adenauer-Brücke. So kam der Hbf wenige Jahrzehnte später zu seinem heutigen Standort. In beiden Kriegen des 20. Jahrhunderts wurde er schwer getroffen, so dass er immer wieder vereinfacht aufgebaut wurde. Eine grundlegende Sanierung und der Neubau hinter der historischen Fassade wurde 2001 durchgeführt. Der Hbf gehört mit rund 660 Zügen am Tag und 110.000 Fahrgästen zu den wichtig-sten Verkehrsknotenpunkte Deutschlands. Seit über 120 Jahren sind rund um die Uhr ehrenamtliche Mitarbeiter der Bahnhofsmission für alle Menschen da.

Der Mannheimer Hbf am Willy-Brandt-Platz

Über den Willy-Brandt-Platz, der wegen des Ausbaus des Straßenbahnnetzes noch vor der BUGA 2023 eine Neugestaltung erfährt, und dem neuen Kepler-Quartier geht es oberhalb der Reichskanzler-Müller-Straße entlang des Grün-streifens. Die Stotzstraße führt nach Neuhermsheim. Hinter dem Stadtteil geht es rechts die Brücke hoch und über den zweitgrößten Rangierbahnhof Deutschlands mit historischem Depot und Wasserturm hinweg. Auf der ande-ren Seite führt steil links ein Weg zu einer grünen Ader, die parallel zu den Gleisen verläuft und am idyllischen Pfingstbergweiher endet. Er ist der erste von einigen Gewässern, die es auf der Rheinau gibt. Rheinau ist einer von

17 Stadtbezirken Mannheims, die nochmal in Stadtteile gegliedert sind. So bilden Rheinau, Rheinau Süd, Pfingstberg & Casterfeld den Bezirk. 

Der Pfingstbergweiher liegt nördlich von Casterfeld, halb Gewerbe-, halb Wohngebiet. Letzteres fällt durch einen hohen Baumbestand positiv auf, zu-dem befindet sich in dem Stadtteil ein weiteres Freibad Mannheims.

Pfingsbergweiher nahe der Mallaustraße

Mit Überqueren der Wachenburgstraße gelangt man zur ehemaligen Eisenbahnersiedlung Pfingstberg. Die Strahlenburgstraße begeistert mit schlichten Häusern der 1920er Jahren und alten Gaslaternen. Es folgt für mich eine der schönsten Kirchen Mannheims. Die auf einer Anhöhe gebaute Pfingstbergkirche aus den 1960er Jahren, ist rund um verglast. Nur schmale Betonpfeiler stützen das Dach. Eine Betonplatte mit Innenschriften schützt die Kirchenorgel vor der Sonneneinstrahlung. Der Kirchturm steht wenige Meter vor der Kirche. Mit den hochgewachsenen Kiefern rund um den Bau, in deren Kronen und im Glas der Kirche das Sonnenlicht immer wieder bricht, ist es ein mystischer Ort.

Die Route verläuft weiter an der Kleingartenanlage und dem Friedhof vorbei in Richtung Rheinau.  

 

 

Pfingstbergkirche, Waldblick 30

Nach der Brücke führt eine kurze grüne Ader rechts zum Karlsplatz und dem Draisdenkmal. Carl Drais unternahm 1817 seinen ersten Versuch mit seiner zweirädrigen Laufmaschine ohne wirklich zu ahnen, welchen bahnbrechenden Erfolg sein Zweirad einmal haben würde. Er fuhr von den Quadraten aus zur Relaisstraße auf der Rheinau. Die Hinfahrt endete nahe des Marktplatzes am Relaishaus, dass erst vor wenigen Jahren einer Brandstiftung zum Opfer fiel. Der Hauseigentümer wollte mit einem Komplizen die Versicherung kassieren, dafür bekamen beide mehrere Jahre Haft. Da das Haus aber weiter noch in seinem Besitz ist und er sich bei den Verhandlungen mit der Stadt Mannheim wenig kooperativ zeigt, schwindet die Chance Tag für Tag das historische Gebäude vor dem endgültigen Abriss zu bewahren. Es liegt nicht auf der Route. Stattdessen folgt nach dem Karlsplatz zwischen Casterfeld-Süd und Rheinau der nächste schöne, aber deutlich kleinere  Weiher. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das eher schlichte Drais-Denkmal vom Mannheimer Künstler Ulrich Bechthold wurde 2003 aufgestellt.

Auf der Karlsruher Straße folgen nun einige Siedlungen in heller oder auch dunkler Klinkerbauweise. Zuerst drei übriggebliebene Exemplare im Post-hornweg, anschließend im südlichen Teil der Relaisstraße weitere Wohnhäu-ser der Chemischen Fabrik Rhenania um 1900. Wobei letztere den Direktoren und Angestellten der Fabrik vorbehalten waren. Die in Stollenberg bei Aachen gegründete Soda-und Schwefelsäure-Fabrik übernahm 1887 die Mannheimer Konkurrenz, um sie 25 Jahre später wieder zu veräußern. Vom Rheinauer Ring ausgehend liegt zwischen Durlacher- und Bruchsaler Straße die Zwischen-straße, die ebenfalls mit einer schönen Siedlung aufwartet. Sie entstand zur selben Zeit. Als ich zu meiner Catering-Zeit hier eine Auslieferung hatte, blieb mir fast vor Begeisterung das Herz stehen. So sehr erinnerte mich diese Sied-lung an meine alte Heimat, das Ruhrgebiet. Die junge Familie, die ich an die-sem Tag mit Essen versorgte, war sich sicher nicht bewußt, wie sehr ich sie um ihr Heim beneidete. Ein Zechenhaus auf Mannemerisch!

Die alte Wohnsiedlung in der Zwischenstraße

 

1. Streckenabschnitt der Route "Wasserreiches Rheinau, geliebter Waldpark"

01  Hauptbahnhof Mannheim, Willy-Brandt-Platz

1a  Rangierbahnhof, Ludwigshafener Straße

02  Pfingstbergweiher, nahe der Mallaustraße

03  Pfingstbergkirche, Waldblick 30

04  Drais-Denkmal, Karlsplatz

05  Kleiner Weiher auf der Rheinau, Karlsruherstraße

06  Ruine des alten Relaishauses, Relaisstraße 56

07  Rhenania-Wohnhäuser: Posthornweg, Relaisstraße, Distelsand und

       Hallenstraße

08  Alte Wohnsiedlung, Zwischenstraße

 

 

Fahrtzeit der gesamten Strecke: 2 Std. und 10 Min.

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