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Teil 3 - Über große Arbeitgeber und Waldhofs größtes Fußball-Idol

Der 3. Teil der Route startet in der Waldstraße an der Bopp und Reuther Sied-lung. Als die Stadt Mannheim den Bau der Wasserversorgung plant, wittern die Herren Bopp und Reuther ihre Chance und gründen in der Neckarstadt eine Firma zur Herstellung von Armaturen für Wasser-,Gas- und Dampfanla-gen. Der Erfolg zahlt sich schnell aus, ihre Produkte gewinnen zahlreiche Prei-se. Der Umzug auf den Waldhof steht an, denn es mangelt an Platz. Gut zehn Jahre später verlässt Carl Bopp das gemeinsame Unternehmen. Carl Reuther führt ab sofort allein die Geschäfte, bindet später seine Söhne mit ein. Reu-ther war sich der sozialen Verantwortung bewusst, lässt eine Mitarbeitekan-tine errichten, gründet eine Betriebskrankenkasse. Zudem lässt er auf dem Firmengelände mehrere Häuser für seine Belegschaft bauen. Seine Firma blieb auch nach seinem Tod im Familienbesitz. 1990 ging sie an einem ihrer Hauptaktionäre über. Das Unternehmen ist eines von vieren, das sich auf dem Waldhof niedergelassen hat. Bekanntestes Beispiel: Mercedes Benz

Die Bopp und Reuther Siedlung in der Waldstraße 30 - 40

Das Mercedes-Benz Werk wurde 1908 gegründet und hat sich auf die Herstel-lung von Nutzfahrzeugen spezialisiert. 5250 Mitarbeiter zählt das Unterneh-men. Natürlich hat man sich auch der Nachhaltigkeit verschrieben und strebt mit der Tochtergesellschaft Evobus bis 2039 Fahrzeuge mit CO2 neutralem Antrieb an. Vor gut einem Jahr gingen in Heidelberg die ersten drei elektrisch betriebenen Linienbusse der Serie eCitaro an den Start, demnächst drei wei-ere in Mannheim. Die fast geräuschlosen Busse, die wegen der unter dem Dach eingebauten Batterie etwas höher sind, als herkömmliche Busse mit Dieselantrieb, kosteten der RNV (Rhein-Neckar-Verkehrsbetriebe) gut das Doppelte. Da bei der Bedienung einer Linie alle drei, statt herkömmlich zwei Busse, zum Einsatz kommen - ein Bus muss immer zwischenzeitlich aufgela-den werden - kommt es dem Verkehrsunternehmen noch teurer. Dafür gab´s aber finanzielle Unterstützung vom Bund und Evobus arbeitet weiter an neue Technologien um die Reichweite zu vergrößern. Stichwort: Brennstoffzelle. 

Die SVW-Fans haben sich an der Sonderburger Straße ein Denkmal gesetzt

Der Weg verläuft auf der rechten Seite über die Brücke. Unter ihr befindet sich das Wandbild des SV Waldhof. „Wir sind alle Mannheimer Jungs“ steht da ge-schrieben. Auf Hochdeutsch! Sehr mysteriös. Ist man doch als Zugezogener mittlerweile am Kurpfälzer Dialekt mit „Ah jo“ und „Alla gud“ gewöhnt und würde es gerade im hiesigen Fanblock am wenigsten erwarten.

Mit Überqueren der B44 gelangt man in die Altrheinstraße. Linker Hand be-findet sich Waldhof-West, rechts das Gelände der Firma Roche Diagnostics International AG. Das weltweit agierende Unternehmen hat sich am Standort Mannheim auf Produkte für Menschen mit Diabetes und Herz-Kreislauf-Pro-blemen, sowie auf lebensverlängernde Medikamente bei Krebserkrankungen spezialisiert. Roche ist mit rund 8.300 Mitarbeiter einer der größten Arbeit-geber in Mannheim. Regelmäßige Führungen für jedermann bieten Einblick in die medizinische und logistische Arbeit, denn hier befindet sich auch das Logistikzentrum für die über 13.000 Produkte des Unternehmens.

Roche Diagnostics International GmbH an der Sandhofer Straße am Altrhein

Auf dem Luzenberg folgt vis á vis der Benz-Werke das vierte geschichtsträch-tige Unternehmen Mannheims: St. Gobain Glass Deutschland GmbH. Mitte des 19. Jahrhundert in Mannheim gegründet, spezialisierte es sich auf die Spiegelherstellung. Der Betrieb sollte rasant wachsen, weitere Standorte in Deutschland kamen hinzu. Der Krieg machte wieder mal alles zunichte. Allein dem Aufschwung ist es zu verdanken, dass sich St. Gobain wieder erholte. Mit der Produktion von Gläsern für den Hochbau und des Automobilmarktes ge-hört das Unternehmen zu den führendsten Herstellern weltweit. Firmensitz heute ist Paris. Interessanterweise wurden auf dem Areal zwei heute völlig verwildert wirkende, nicht öffentliche Parks angelegt. Es heißt, dass sie ver-kauft werden sollen. Anwohner haben Sorge, das die Bäume gerodet und die Flächen bebaut werden und wehren sich gegen solche Überlegungen. Von der Arbeitersiedlung St. Gobains ist leider nur noch eine Häuserzeile erhalten geblieben und die SVW Kneipe schlecht hin. Das Spiegelschlöss´l

Graffiti-Mauer auf dem Luzenberg, dahinter einer der beiden St. Gobain Parks

Hier ist der Fußball zu Hause, insbesondere der SVW. Nicht zuletzt wegen sei-nes Talents Josef „Sepp“ Herberger. Er wurde 1897 als jüngstes von sechs Kindern geboren und wuchs hier in der Spiegelkolonie, später in Waldhof-West, auf. Mit deutschlandweit steigender Begeisterung für den Fußball ge-hört auch der SV Waldhof seit seiner Gründung 1907 zu den wichtigsten sozi-alen Einrichtungen am Platz. Herberger kämpfte sich in die erste Mannschaft des Vereins, überzeugte als Stürmer. Ab 1921 gehörte er dem Kader der deut-schen Nationalmannschaft an. Gleichzeitig wechselte er vom SV Waldhof zu VfR Mannheim. Ablöse: Anstellung bei der Dresdener Bank und eine mietfreie Wohnung mit eingebauter Küche inkl. handfesten Skandal. Der zielstrebige Herberger wurde erstmals 1936 zum Reichstrainer ernannt. 1954 gelang ihm als Bundestrainer in Bern endlich der Titel: Weltmeister! Blau, schwarz, weiße Portraits verewigen auf Stromkästen im gesamten Stadtgebiet neben ihn auch Günter Sebert und Otto Sieffling, zwei weitere TOP-Spieler des SVW.

Sonnenaufgang in einer der ältesten Arbeitersiedlungen Deutschlands

Die letzte Sehenswürdigkeit dieser Route stellt für mich eines der imposante-sten Bauwerke Mannheims dar. Es ist der Luzenberger Wasserturm, der in einer Schule integriert ist. Er wurde zeitgleich mit dem Mannheimer Wasser-turm errichtet und sollte den Wasserdruck im Mannheimer Leitungsnetz konstant halten. Ein Blick ins Innere und auf die Jugendstilornamentik sollte man nutzen!

Leider führt der weitere Weg ein Stück an der stark befahrenen Luzenberg-straße vorbei. Nach der Brücke geht es links über die Waldhofstrasse in die verkehrsberuhigte Gertrud-Bäumer-Straße, die zur Herzogenriedstraße führt. Nach dem Gelände der Integrierten Gesamtschule kommt man über Max-Joseph-Straße und Alter Meßplatz wieder zurück zum Ausgangspunkt. Im Übrigen, liebe Radfahrer! Über diese Strecke geht es schneller als über die Waldhofstraße. Weniger Ampeln und so gut wie kein Verkehr!

Ein kleiner Tipp!

Wasserturm Luzenberg, Gerwigstraße 2- 8

 

 

3. Streckenabschnitt der Route "Wo der Fußball zu Hause ist"

01  Bob & Reuther Arbeitersiedlung, Waldstraße 30 - 40

02  Wandbild "Wir sind alle Mannheimer Jungs" , Sonderburger Straße

03  Roche Diagnostics International GmbH

04  St. Gobain Glass Deutschland GmbH mit zwei Parks

05  Spiegelkolonie und Spiegelschlöss´l, Spiegelfabrik 314

06  Wasserturm Luzenberg, Gerwigstraße 2 - 8

07  Mercdes-Benz Werk

 

Fahrtzeit der gesamten Strecke: 1 Std. und 30 Min.

 

 

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