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Teil 2 - Über gesundes Wohnen und einem Stern im Grünen

Die Idee der Gartenstadt entstand in England. Aufgrund schlechter Wohn- und Lebensverhältnisse in den stark wachsenden Städten in der Zeit der Industrialisierung um 1900 entwickelte Ebenezer Howard ein Bebauungs-konzept, das vorsah auf Freiflächen am Rande der Stadt Siedlungen in einem einheitlichen Erscheinungsbild mit hohen Gartenanteil zu errichten.

Gesundes Wohnen war das Leitbild – ökologisch und sozial. Sprich: Der Eigenanbau von Obst und Gemüse, Grünflächen, Kultureinrichtungen und direkte Anschlüsse an die Eisenbahn auf der einen, ein Verbund zur Förde-rung des sozialen Zusammenhalts auf der anderen Seite. Man musste also als Interessent einer sogenannten Wohngenossenschaft beitreten. Die Vorteile waren ein lebenslanges Wohnrecht und dauerhaft niedrige Mieten, da die Wertsteigerung der Baufläche in der Gemeinschaft blieb und Bodenspeku-lationen ausgeschlossen waren. Das Konzept ist bis heute so geblieben.

 

Die Gartenstadt-Wohnhäuser in der Heidestraße haben eine gelbe Fassade.

Da ist es doch interessant, dass ähnliche Wohnkonzepte mit gleichen Zielen in der heutigen Zeit durch rasant steigende Immobilienpreise wieder auf dem Vormarsch sind. Zum Beispiel das Mietersyndikat. Drei dieser Wohnprojekte befinden sich u.a. auf Turley in der Neckarstadt.

Die Wotanstraße, über die die Route verlaufen ist, endet an der Heidestraße.  Die Wohnhäuser hier sind strahlend gelb mit grünen Fensterläden. Am West-ring wiederum sind sie rosa, die Fensterläden in grau-blau eingetaucht. Rund um „Langer Schlag“ und an der Waldstraße sind die Häuser in Beige- und Braun-Tönen gehalten. Es gibt  viel zu entdecken - anfangen bei den liebevoll gestalteten Gärten bis hin zu den alten blauen Gaslaternen. Das Zentrum bil-det der Freyaplatz mit dem Wasserspiel, auf dem freitags der Wochenmarkt stattfindet. Es ist der Treffpunkt der Gartenstädter, denn leider mangelt es hier an einer guten Infrastruktur. Um den nächsten Supermarkt zu erreichen braucht's ein Fahrrad oder ein Auto. Das letzte Restaurant gibt es nicht mehr.

Der Freyaplatz bildet das Zentrum der Gartenstadt

Über die Straße „Waldpforte“ setzt sich die Route weiter fort, vorbei an der Freilichtbühne Mannheim e.V., die seit ihrem Bestehen (1950) alljährlich im Sommer mit zwei Theaterproduktionen Massen anlockt. Dabei reicht die

Geschichte der Laienspielgruppe schon weiter zurück. Der „Dramatische Club“, aus dem die Freilichtbühne hervorgegangen ist, feierte bereits 1913 im Gemeindesaal der katholischen Franziskuskirche (s.u.) am Taunusplatz seine Premiere. An der Straßenbahnendhaltestelle folgt das einzige Café des Stadt-teils, gleich am idyllischen Waldfriedhof. Noch ein kleines Stück weiter be-ginnt der Käfertaler Wald. Von hier aus geht es rechts zum Karlstern. Sternen-förmig führen die Wege von hier aus durch den Wald zu Nachbargemeinden wie Lampertheim oder Viernheim und dürften schon Kurfürst Carl-Theodor bei seinen Jagdausflügen Orientierungshilfe geleistet haben. Heute ist es ein beliebtes, kostenfreies Ausflugsziel mit Wildgehege und Vogelvolieren.

Die Lampertheimer Straße führt direkt zum Karlstern

www.flbmannheim.de

Vom Karlstern aus geht es zurück zur Gartenstadt in Richtung Waldhof vorbei am Carl-Benz-Bad. Es ist eines von 4 Freibäder in Mannheim. Aktuell ist in Pla-nung auch ein Hallenbad zu bauen. Dafür sollen die sanierungsbedürftigen Anlagen auf der Vogelstang und auf dem Waldhof geschlossen werden. Ob die Stadt sich damit einen Gefallen tut und die wachsende Zahl an Nicht-schwimmern verringert, vermag ich nicht zu beurteilen. Zumal das Bad nur mit einer aus den Quadraten kommenden Straßenbahnlinie an den öffent-lichen ÖPNV angeschlossen ist. Direkte Busverbindungen von Vogelstang, Käfertal, Waldhof, Sandhofen und Schönau aus gibt es nicht, was schwimm-freudige Jugendliche und Senioren die Anfahrt erschweren wird.

Die o.g. neue "Stadtbahn Nord", die von der Hessischen  Straße aus im zehn minütigen Wechsel einmal den Nordwesten und einmal den Südosten der Gartenstadt anfährt, wurde erst vor einigen Jahren fertiggestellt. Von der Stadt groß gefeiert, war sie vielen Bewohnern ein Dorn im Auge. 

Schienenverlauf der neuen Stadtbahn Nord entlang der Hessischen Straße

Von der Hessischen Straße aus geht rechts - nach drei farben-freundlichen Hochhäusern - ein Geh- und Radweg zum Park am Waldhofer Hallenbad ab, aus dem man durchaus noch einiges herausholen könnte. Ebenso die Wohn-häuser drumherum dürften gerne einen neuen Anstrich bekommen. Links führt der Weg zu den letzten, noch verbliebenen Häusern der Drais-Siedlung am Fichtenweg. Über Atzelhofstraße, Tannenstraße und Speckweg geht es zum Taunusplatz und zur katholischen Franziskuskirche direkt am Bahnhof Waldhof, der den Stadtteil in West und Ost teilt. Vis á vis steht die evangeli-sche Pauluskirche, Mannheims erste Jugendkirche, die Anfang des 20. Jahr-hunderts aus Überresten der früheren Neckarstädter Lutherkirche erbaut wurde. Auch die Orgel wurde übernommen. All das machte der 2. Weltkrieg wieder zunichte. Sie wurde vereinfacht wieder aufgebaut. Über die Alte Frankurter Straße führt die Route zur alten Bopp & Reuther-Siedlung, zu ei-nem imposanten Bauwerk und endlich dorthin, wo der Fußball zu Hause ist!

Die Franziskuskirche am Taunusplatz

 

 

2. Streckenabschnitt der Route "Wo der Fußball zu Hause ist"

01  Historischer Kern der Gartenstadt - Westring

02  Freyaplatz - Zentrum der Gartenstadt

03  Freilichtbühne Mannheim, Kirchwaldstraße 10

04  Waldfriedhof Gartenstadt, Waldpforte 165

05  Karlstern - am Ende der Lampertheimer Straße

06  Carl-Benz-Bad, Baldurstraße 57

07  Drais-Siedlung am Fichtenweg

08  Paulskirche und Franziskuskirche am Taunusplatz

 

Fahrtzeit der gesamten Strecke 1 Std. und 30 Min.

 

 

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