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Teil 2 - Über eine mutige Telefonistin und den Durst auf Wasser

Bevor es ins Zentrum von Alt-Käfertal geht, macht die Route eine Runde um das neue ca. 150ha große Stadtquartier „Franklin“, dass zu den fünf ehe-maligen Barracken der US-Streitkräfte gehört - eine sechste in Mannheim wird noch von den Amerikanern besetzt. Über 10.000 Staatsbürger der USA lebten und arbeiteten in „Benjamin Franklin Village“, dass in fünf Bereiche unterteilt war: Sullivan, Columbus, Franklin, die Offizierssiedlung und Funari. Letzteres ist das Gebiet rund um die ehemaligen Gallwitz Kasernen aus den 1930er Jahren, an denen der Weg in Richtung Käfertaler Friedhof vorbeiführt.

Mit Betreten des Friedhofs fällt der erste Blick auf eine große, weiße Engels-figur auf einem Sockel. Daneben ein gläserner Pavillon, der es ermöglicht, neben der Kapelle aus roten Ziegeln auch draußen Trauerreden zu halten. Der Friedhof ist ein schattenreicher Ort, da mächtige Kronen alter, stattlicher Bäume nur wenige Sonnenstrahlen durchlassen. Der Alte Postweg dahinter verläuft an den sanierten Häuser der Offizierssiedlung vorbei.  

Käfertaler Friedhof am Alten Postweg 26

Ein Weg verbindet ihn anschließend mit der Wasserwerkstraße. Das Areal des Käfertaler Wasserwerks wurde 1888 errichtet, nachdem Untersuchungen ergaben, dass diese Stelle im Wald eine ausreichende Grundwasserversor-gung für die Mannheimer Bevölkerung gewährleistet. Die Stadt kaufte das Grundstück dem noch nicht eingemeindeten Käfertal ab. Die Leitungen wurden bis zum Friedrichsplatz verlegt, in dessen Zentrum zeitgleich das Mannheimer Wahrzeichen, der Wasserturm, gebaut wurde.

Gegen Ende des 2. Weltkriegs drang die US-Wehrmacht in Mannheim ein und besetzte auch das Wasserwerk. Gretje Ahlrichs, Telefonistin der Stadt, schaff-te es über die letzte vorhandene Leitung eine Feuerpause mit den Amerika-nern auszuhandeln, um einen der noch übrig gebliebenen Verwaltungsmit-arbeiter herzuholen, der die erste telefonische Kapitulation aussprach. Für drei Befreiungskämpfer kam das leider zu spät, sie wurden am gleichen Tag, dem 28. März 1945, im Lauer´schen Garten von Nazi Schergen hingerichtet. 

Wasserwerk im Käfertaler Wald

Rechts führt die Route am Rande des Waldes zurück zur B38, hinter dem "Tor zum Käfertaler Wald" geht es wieder rechts und zum Platz der Freundschaft. Kurz dahinter folgt das Boulderhaus Käfertal, die ehemalige Sports Arena der amerikanischen Armee. Das Boulderhaus ist eines von zwei Anlagen in Mann-heim. Klettern liegt hier bei uns, wie überall auch, voll im Trend. Die Halle aus roten Ziegeln fällt allein schon durch das abgerundete Dach auf und wird bis dato noch am meisten mit Franklin in Verbindung gebracht. An der ehemali-gen Sports Arena findet alljährlich Anfang Oktober der 9 Meilen Lauf statt.

Neben dem großen Dämmer Marathon und dem Neckar Run im Wonnemonat Mai ist das das 3. große Laufspektakel der Stadt. 

 

 

 

 

Das Boulderhaus in der Birkenauer Straße, Tor 1

Vis á vis hat man noch einen guten Blick auf die andere Straßenseite und zu Deutschlands größtem Mural mit dem Titel: "Véra". Wenn auch auf dem Columbus-Gelände von Franklin die Bagger und Kräne anrü-cken, könnte es damit vorbei sein. An der Fassade eines 13-stöckigem Hochhauses in der Brandenburger Straße 44 hat Hendrick Beikirch das Gesicht einer alten Frau porträtiert. Der gebürtige Koblenzer setzte damit nicht nur seine Sibirien-Reihe fort, sondern blieb seinem Stil der Schwarz-Weiß-Malerei treu. Das Bild ist dreigeteilt und fügt sich aus einem bestimmten Winkel zu einem zusammenhängenden Bild zusammen. Für das 44m mal 37m großem Gemälde verbrauchten er und sein Team über 600 Liter Farbe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Mural "Véra" von Hendrick Beikirch in der Brandenburger Straße 44 auf der Vogelstang

www.stadt-wand-kunst.de

Auf Mannheims größter Konversionsfläche ist momentan Großbaustelle angesagt. Um die 9000 Menschen werden in Zukunft hier eine neue Bleibe finden, die ersten sind sogar schon eingezogen. Dazu entsteht ein großes Gewerbegebiet mit Baumarkt und Möbelhaus. Die angrenzende B38 wird zu einer Stadtstraße mit Tempo 50 zurückgebaut. 4 Hochhäuser in Form eines Buchstaben sind in Planung, zusammen bilden sie das Wort „HOME“, was man gut und gerne als kitschig bezeichnen darf. Franklin soll Mannheims ökologischster und nachhaltigster Stadtteil werden, mit Niedrigenergie-häusern, Aufladestationen für Elektroautos, eigenem Straßenbahnanschluss, mit großer Parkanlage und vielem mehr. Zu hoffen ist, das neben dem Einzelhandel nicht die Gastronomie zu kurz kommt, die neben all diesen Ideen einen wichtigen Beitrag zum Wohlbefinden der Bürger beiträgt. Über Abraham-Lincoln- und George-Waschington-Allee, geht es wieder am Käfer-taler Friedhof vorbei in Richtung Alt-Käfertal.

Erste Neubauten in der Abraham-Lincoln-Allee

2. Streckenabschnitt der Route "Zwei ungleiche Nachbarn"

01  ehemalige Gallwitz Kaserne in der Bensheimer Straße

02  Käfertaler Friedhof am Alten Postweg 26

03  ehemalige Offizierssiedlung an der Wasserwerkstraße

04  Käfertaler Wasserwerk im Käfertaler Wald

05  Boulderhaus, ehemalige Sports Arena, an der Birkenauer Straße

06  "Véra" - Deutschlands größtes Mural in der Brandenburger Straße 44

 

 

Fahrtzeit der gesamten Strecke: 1 Std. und 50 Min.

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Kommentare: 1
  • #1

    Peter Groll (Freitag, 06 Dezember 2019 21:57)

    Hallo und vielen Dank für die schönen Bilder und Informationen rund um Mannheim. Ich bin ehemaliger Einwohner dieser wunderbaren Stadt und freue mich über Ihren Blog