· 

Teil 4 - Zwischen Schnellschuss und Symbolpolitik

Ich fahre gerne Rad. Echt! Ausflüge in der Region gehören für mich zu den liebsten Aktivitäten im Sommer. Und auch so benutze ich in Mannheim lieber das Fahrrad als das Auto, um von A nach B zu kommen. Es bietet sich einfach bei der Größe der Stadt an. 

Die Debatte um den Klimawandel hat ihren Höhepunkt erreicht. Und ich freue mich, dass das Thema auch in meiner Stadt angekommen ist. Ich begrüße es, dass neue Radwege und Fahrradstraßen entstehen. Das macht es mir und anderen sicher auch leichter das Auto mal stehen zu lassen. 

Aber ich bin auch ehrlich. Ich bin Warmduscher. Bei Regen oder starken Wind, oder bei Regen und starken Wind, bringen mich keine 4 Pferde auf meinen Draht-esel. Dann greife ich doch lieber auf Auto oder Straßenbahn zurück. Und das auch bei kurzen Strecken, also z.B. von mir zu Hause aus in der Neckarstadt bis zu den Quadraten. Und ich käme nie auf die Idee mit dem Rad zu meinem Arbeitsplatz nach Heidelberg-Rohrbach zu fahren. Die Entfernung ist mir zu weit. Ich komme verschwitzt dort an und auch wieder zurück. Zudem verliere ich Zeit. Zeit, die ich lieber für meinen Sport oder für Gartenarbeit nutzen möchte. Zeit, mit der ich mich mit Freunden treffen oder einfach gemeinsam mit meinem Mann mit Kochen und Quatschen verbringen könnte. Mit dem ÖPV müsste ich ebenfalls viel Zeit einplanen, über 1 ½ Stunden dauert es. Mit dem Auto dagegen gute 30 Minuten.

Ich empfinde mich nicht als Freak, sondern glaube, dass viele Menschen die gleiche Einstellung haben wie ich. Wie kommt dann bitte unsere Landesregierung auf die Idee, einen Radschnellweg zwischen Heidelberg und Mannheim zu errichten? Hier wird doch Unmengen an Geld in ein Projekt investiert, das für den Großteil der Bevölkerung gar keinen Nutzen hat. Oder liege ich damit so völlig daneben? Es gibt doch schon Radwegverbindungen von Ost nach West und auf beiden Seiten des Neckars. Was unterscheidet sie von einer "Fahrradautobahn"? Und welche Gruppe von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer reibt sich jetzt nach Ankündigung bereits die Hände vor Freude und kann es kaum erwarten? Der Bankangestellte? Der Elektroinstallateur? Die Sprechstundenhilfe? Die Erzieherin? Die Verkäuferin? (Um ein paar Klischees zu bedienen...) Wer? Doch nur der oder diejenige, der/die auch privat leidenschaftlich Radsport betreibt.

Liebe Landesregierung! Ich weiß, es ist gut gemeint und sehr symbolträchtig. Aber gib das Geld den Kommunen für die innerstädtische Infrastruktur der Rad-wege. Es ist nachhaltiger und umweltfreundlicher, jemanden der in der gleichen Stadt lebt und arbeitet auf den Sattel zu bekommen. Für die Menschen im umliegenden Land sollte man den ÖPV ausbauen oder ihnen das Auto weiter gewähren. Oder entwickle ein gutes Konzept, wie die Kombination aus beiden, die Innenstädte von Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen entlastet. Der Radschnellweg selbst ist ein Schnellschuss, die Bevölkerung wird es Dir nicht danken.

Der Radschnellweg soll am Neckar entlanglaufen

Kommentar schreiben

Kommentare: 0