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Teil 2 - Über Tankstationen und fränkische Höfe

Das südlich von Seckenheim gelegene Suebenheim ist nicht viel größer als Hochstätt. Der Stadtteil liegt nördlich der A656, die auf Anordnung Adolf Hitlers Mitte der 1930er Jahren gebaut wurde. Die „Reichsautobahn“ verbin-det seither Mannheim mit Heidelberg und die beiden Autobahnen 5 und 6. Auf Höhe Suebenheims befinden sich heute noch zu beiden Seiten zwei ehemalige, denkmalgeschützte Tank- und Raststationen, sowie eine dazu gehörige Kraftwagenhalle aus der Zeit. Das nördliche Areal wird heute von der Straßenmeisterei genutzt. Nicht unweit entfernt an der St. Don-Bosco Kirche befindet sich zudem ein Brunnen aus der Römerzeit.

Links am Seckenheimer Friedhof und an der Streuobstwiese vorbei geht es auf die andere Seite der Seckenheimer Hauptstraße und dann links der Straßenbahnschienen folgend in Richtung Zentrum und zum Schloss Seckenheim.

Seckenheim liegt idyllisch am Neckar. Die historische Stadtmauer schützt den Ort vor Hochwasser.

Freiherr Johann Georg Anton von Stengel, ein enger Vertrauter und Berater des Kurfürsten Carl Theodors, baute für sich und seine Familie 1768 das Schloss direkt am Neckar. Der hintere Anbau folgte erst später. Die Bewohner wechselten über die Jahrhunderte, seit 1939 ist es im Besitz der Stadt Mann-heim. Neben den Bürgerdiensten ist ein italienisches Restaurant in den Gebäuden untergebracht. Von der Terrasse und dem kleinen Park aus hat man einen schönen Blick auf den Neckar. Nicht unweit entfernt befindet sich die katholische St. Ägidius Kirche im neubarocken Stil aus der Anfangszeit des 20. Jahrhunderts. Zuerst bestand sie den 2. Weltkrieg unbeschadet, aber das Schicksal schlug am letzten Kriegstag, am 23. März 1945, dann doch un-erbittlich zu. Die Kirche wurde von Amerikanern beschossen und brannte bis auf die Außenmauern nieder. Sie wurde von außen original getreu wieder aufgebaut. An der Neckarbrücke befindet sich wohl Mannheims schmalstes Haus. Der schnuckelige Fachwerkbau in lila gleicht einem Hexenhäuschen.

Seckenheimer Schloss, Seckenheimer Hauptstraße 68

Ein Katzensprung entfernt befindet sich der Marktplatz und das alte Rathaus an der Seckenheimer Hauptstraße. Als diese ausgebaut und die Schienen für die Straßenbahn verlegt wurden, durchbrach man das Gebäude von 1718 und lenkte den Gehweg durch die neugeschaffenen Arkaden durch. Das Zentrum des eingemeindeten Stadtteils, der sich übrigens damals heftig zu Wehr setzte, weist eine gute Infrastruktur auf. Diverse Einzelhandelsgeschäfte haben hier in der jüngeren Zeit neben Alteingesessenen Fuß gefasst. Hervor zu heben sei an dieser Stelle der Atelierhof113, der aufwändig saniert wurde und heute kleine Handelsbetriebe beheimatet. Ein kleiner Bummel in histo-rischer Umgebung entlang der Einkaufsstraße lohnt sich also auf der Suche nach ausgesuchten Weinen, Kleidung und Geschenkartikel. Diverse Gastro-nomiebetriebe überzeugen mit gutem Essen und gemütlichem Ambiente. 

 

 

Das Alte Rathaus auf der Seckenheimer Hauptstraße

Rechts am alten Rathaus vorbei macht die Route eine kleine Runde durch Seckenheims Gassen mit dem einen oder anderem Fachwerkhaus, wie z.B. das Hotel Weingärtner, einer ehemaligen Tabakscheune. Seckenheim wurde bereits 766 im Lorscher Codex, ein in Latein geschriebenes Manuskript der Lorscher Reichsabtei, erwähnt. Es sind heute aber die fränkischen Höfe aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die das Stadtbild prägen. Charakteristisch für diese Höfe sind ihr dreiseitiger Aufbau. An den gegenüberliegenden Seiten befinden sich das Wohnhaus und die Ställe, die zur Straße hin mit einem zweiflügeligen Tor und nach hinten mit einer Scheune verbunden sind, die zur damaligen Zeit zum Trocknen von Tabak genutzt wurde. Dahinter folgt ein großer Garten. Die Ställe sind heute Wohnungen. Somit leben mehrere Familien auf so einem Hof. Das Tabakgeschäft wurde längst aufgegeben. Zahlreiche dieser fränkischen Höfe befinden sich in der Kloppenheimer, Rastatter und Freiburger Straße.

Ein fränkischer Hof in Seckenheim

Letztere führt zur nächsten Sehenswürdigkeit: Dem Seckenheimer Wasserturm. Aufgrund der Kuppel auch als "Glatzkopp" bezeichnet. Er beheimatet Deutschlands einziges Aufzugsmuseum der Firma Loch-bühler. Das Familienunternehmen besteht seit 1873 und begann als Huf- und Wagenschmiede. Ab 1925 baute die Firma die ersten Aufzüge, sie wurden aber erst 1960 zum Kerngeschäft des Unternehmens. Der Erfinder des elektrischen Aufzuges war im übrigen Werner von Siemens, der diese neue Errungenschaft 1880 in Mannheim bei der Pfalzgau, einer landwirtschaftlich-gewerblichen Messe, vorstellte. Der Aufzug beförderte 6 Personen in luftige 20 Meter Höhe. Das Museum der Firma Lochbühler erstreckt sich auf vier Ebenen und bietet spannende Einblicke in die Aufzugstechnik. Auch ein fahrbarer Paternoster wurde in den Turm eingebaut. Das Museum ist nur auf Voranmeldung in der Gruppe oder zu Veranstaltungen zu besichtigen. 

Über die Badener und anschließend links über die Rastatter Straße verlässt man Seckenheim und gelangt zurück auf die Felder. Unter der A6 hindurch und dann links über die A656 kehrt man rechts wieder zur SAP-Arena. Wie hinzus geht es auch rückzus zum Wasserturm am Friedrichsplatz, dem Ausgangspunkt dieser Route.

 

 

 

 

 

 

Der Seckenheimer Wasserturm in der Kloppenheimer Straße 94

www.lochbuehler.de/aufzugsmuseum-bilder/

2. Streckenabschnitt der Route "Zwischen Dossenwald und Neckar"

01  Suebenheim mit denkmalgeschützte Rast- und Tankstationen und  

       Römerbrunnen

02  Seckenheimer Schloss, Seckenheimer Hauptstraße 68

03  St. Ägidius Kirche, Seckenheimer Hauptstraße 78

04  "Hexenhäuschen" am Heumarkt

05  Altes Rathaus und Marktplatz, Seckenheimer Hauptstraße 96

06  Fränkische Höfe, zum Beispiel in der Freibugerstraße 

07  Seckenheimer Wasserturm, Kloppenheimer Straße 94

 

 

Fahrtzeit der gesamten Strecke: 1 Std. und 50 Min.

 

 

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