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Teil 1 - Über Pferde, Gänse und weiter allerlei Getier

Halbzeit. 6 Routen habe ich Euch in den vergangenen Monaten vorgestellt. Schon mit der Vorherigen durch Feudenheim, Wallstadt und Straßenheim begeben wir uns nun immer weiter in die Außenbezirke und treffen auf Orte, von denen man nicht erwartet hätte, dass Mannheim sie zu bieten hat! Diesmal führt die Route durch den Süd-Osten. Start ist am Wasserturm und zuerst wird einmal längs die Schwetzinger-Stadt über die Rheinhäuserstraße durchquert. Am Ende geht der Weg über die gegenüberliegende Stotzstraße weiter am Fahrlachtunnel vorbei in Richtung Neuhermsheim und SAP-Arena. Hinter dem Veranstaltungshaus verläuft die Strecke rechter Hand über Bösfeld, Weg IV bis nach Hochstätt, einer der kleinsten Stadtteile Mannheims, in dessen Zentrum man mit einem bunten Wandbild einer Jugendgruppe aus dem Ort begrüßt wird. Überhaupt weist der Stadtteil eine vergleichsweise hohe junge Bevölkerung auf. Fast 40% der Haushalte haben Kinder. 

Über die Wachenburgerstraße hinweg erreicht man den nördlichen Zipfel des Dossenwaldes und gelangt zur Waldrennbahn.

 

Wandbild in Hochstätt an der Rohrlachstraße

Der Pferdesport hat schon lange in Mannheim Tradition. 1836 fanden die ersten Austragungen statt. Gute 50 Jahre später wurde der Badische Renn-verein Mannheim offiziell gegründet (1868) und gehört somit neben Düssel-dorf, Hamburg, Bremen und München zu den ältesten seiner Art. Die Rennen fanden auf einer beachtlichen Fläche der heutigen Oststadt statt, 9 Jahre später darf auch gewettet werden. Zu dieser Zeit wurde der Pferdezucht- und Rennverein Seckenheim gegründet. Seine Waldrennbahn wurde 1950 ange-legt, als die vorherige in den 1930er Jahren der A656 weichen musste. Da es dem Badischen Rennverein nach Kriegsende schlecht geht, findet in den 1960er Jahren eine Fusion mit den Seckenheimern statt. Die Waldrennbahn wird ausgebaut. Im Frühjahr findet alljährlich der Badenia-Renntag statt. Ein Zuschauermagnet. Er ist mit 15.000 Euro das höchstdotierte Hindernisrennen Deutschlands. Mannheim hat heute noch viele Pferdezuchtbetriebe und Reiterhöfe. Die meisten befinden sich im Osten und im Norden der Stadt.

Eine Pferdekoppel am Friedrichsfelder Weg / www.badischer-rennverein.de

Über den Holzweg und am Verein "Historische Eisenbahn Mannheim e.V." gelangt man in den Dossenwald, der bei den Mannheimern gefühlt nicht so präsent ist, wie der Käfertalerwald. Dabei hat er ein abwechslungsreiches Erscheinungsbild und ist ein tolles Naherholunggebiet. Neben der großflächi-gen Kiefernbewaldung, befinden sich hier auch zahlreiche Laubbäume, wie Eichen und Robinien, und eines der wichtigsten Flugsandgebiete Baden-Württembergs mit entsprechender Flora und Fauna, wie z.B. Heidekraut. Auch ein kleiner Wildpark, eine Streuobstwiese und ein Vogellehrpfad tragen zu einem perfekten Sonntagsspaziergang bei. Im Dossenwald gibt es wirklich zahlreiche Rundwanderwege, einer führt auch an Mannheims höchster Erhebung vorbei. Mit 112m ist sie aber natürlich eher mit einem Augen-zwinkern zu betrachten.

Der Dossenwald zwischen Rheinau und Friedrichsfeld hat viel zu bieten.

www.historische-eisenbahn-ma.de - diverse Termine im Jahr, z.B. Rundfahrt durch den Mannheimer Industriehafen

Die Route führt über den Friedrichsfelder Weg zur Alteichwald-Siedlung auch nahe an Bauer Karl vorbei. Der Hof hat sich auf die Aufzucht von Freiland-gänse spezialisiert. Sie werden ausschließlich mit Gras und hofeigenem Hafer gefüttert. In der Alteichwald-Siedlung geben heimische Tiere den Straßen ihre Namen. So leben die Einwohner in der Hirschgasse, im Dachspfad oder aber auch auf den Entenstrich. Um die Siedlung herum verläuft ein Weg zum Friedrichsfelder Friedhof. Hier befindet sich für mich Mannheims schönste Kapelle. Mit weißem Anstrich und grauer Kuppel ist sie ein besonderes Exemplar der Jugendstil-Architektur. Nicht unweit entfernt befindet sich ein Hof der in der Herbstzeit zahlreiche Speise- und Zierkürbisse anbietet. Wer seine eigenen 4 Wände gerne dekoriert, ein Freund des alljährlichen Hallo-ween-Spektakels ist oder einfach nur seinem Gaumen eine Freude machen möchte, sei dieser Ab-Hof-Verkauf am Grenzhofer Weg wärmstens zu em-pfehlen. 

Friedrichsfelder Friedhofskapelle am Grenzhofer Weg / www.bauerkarl.de

Über die S-Bahn Station gelangt man auf die Vogesenstraße, der einstigen Einkaufsstraße. Viele Inhabergeführte Läden gibt es heute nicht mehr, die Bewohner fahren zum Einkaufen zur „Grünen Wiese“ nach Neu-Edingen. Friedrichsfeld weist eine hohe Gruppe an älteren Bewohnern auf. Manch einer spricht vom vergessenen Stadtteil. Eine Aufwertung täte ihm tatsächlich gut. Zwar wächst auf der anderen Seite der Gleise das Gewerbegebiet rasant und schafft Arbeitsplätze, aber der Einzelhandel profitiert davon bisher nicht. Über die Main-Neckar-Bahn-Straße geht der Weg am Friedrichsfelder Hof, einem beliebten Restaurant, und am alten Bahnhof vorbei. Die Regional-bahnen halten im benachbarten Ort nur wenige 100m entfernt und bieten dem Stadtteil eine weitere Anbindung nach Mannheim. Solange noch die Brücke der A656 hier erneuert wird, verläuft die Route über die Schwaben-straße nach Seckenheim. Wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind, empfeh-le ich den Weg über die Felder. Er führt ebenfalls zum Seckenheimer Friedhof.

Der alte Friedrichsfelder Bahnhof in der Main-Neckar-Bahn-Straße

1. Streckenabschnitt der Route "Zwischen Dossenwald und Neckar"

01  Hochstätt

02  Waldrennbahn des Badischen Rennvereins am Holzweg

03  Dossenwald / Verein "Historische Eisenbahn Mannheim e.V."

04  Alteichwald / nicht unweit entfernt: Bauer Karl im Marderweg 60

05  Friedrichsfelder Friedhof mit Kapelle, Grenzhofer Weg

06   Alter Friedrichsfelder Bahnhof, Main-Neckar-Bahn-Straße

 

 

Fahrtzeit der gesamten Strecke: 1 Std. und 50 Min.

 

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