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Teil 1 - Über Maulbeerbäume und Pläuschchen am Gartenzaun

Die 6. Route führt über Feudenheim und Wallstadt bis nach Straßenheim am nord-östlichen Stadtrand Mannheims. Weitläufige Felder und Wiesen mit großartigem Blick auf den Odenwald prägen hier das Stadtbild. Start ist an der Abendakademie. Am früheren OEG-Bahnhof, dem heutigen City Beach, geht es flussaufwärts zwischen Neckar und den Schienen der Straßenbahn-linie 5 entlang. Die frühere Oberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft AG Mann-heim (OEG) war Anfang des 20. Jahrhunderts ein Verkehrsunternehmen, dass für den guten Ausbau der Eisenbahninfrastruktur sorgte und u.a. Mannheim mit Heidelberg und Weinheim verband. Die 2 ½ stündige Rundfahrt über Edingen, Schriesheim, Viernheim und Käfertal wird heute von Straßenbahnen befahren und ist vom übrigen Straßenbahnnetz kaum zu unterscheiden. Aber streng genommen ist sie eine Schmalspurbahn. Alteingesessene sprechen heute noch von der OEG, wenn sie die Linie 5 meinen. Der OEG-Bahnhof er-innert noch neben dem Käfertaler und dem Wallstädter an diese Zeit. 

Der Neckar machts möglich: Beach Feeling am Ufer oder am OEG-Bahnhof

Das Collinicenter, der Fernmeldeturm mit Drehrestaurant und der Luisenpark werden auf dem Weg nach Feudenheim passiert - gegenüber der historische Teil des Universitätsklinikums. Hier befindet sich auch die Spitze der Maul-beerinsel, die sich über mehrere Kilometer Richtung Osten erstreckt, den Neckar in Kanal und Altarm teilt, und sich schließlich bei Seckenheim nach Süden hin verbreitert. Ilvesheim, eine kleine Gemeinde des Rhein-Neckar-Kreises, hat hier seinen Altstadtkern mit Schloss auf der Insel. Ihr Name hat die Insel der Großherzogin Stephanie von Baden zu verdanken. Neben der Gestaltung des Mannheimer Schlossgartens, ließ sie dieses Areal mit Maul-beerbäumen bepflanzen, um die traditionsreiche Seidenraupenzucht wieder zu beleben - ohne Erfolg.  Heute steht es unter Naturschutz und bietet seit geraumer Zeit in Höhe Seckenheim dem Biber eine neue Heimat. Neue Pläne sehen vor, den Neckar weiter zu renaturieren, um die Population zu sichern.

Eines der beliebtesten Fotomotive: Blick von der Riedbahnbrücke auf den Neckar, Mannheim und dem Werksgelände der BASF in Ludwigshafen

Nach Überqueren der Riedbahnbrücke folgt die in den 1920er Jahren errich-tete Feudenheimer Schleuse. Zu Hauf machen Spaziergänger an sonnigen Tagen hier Station und beobachten den Schleusenbetrieb, der Jung und Alt begeistert. Rechts führt der Weg zwischen dem Sportpark im Neckarplatt über eine Brücke nach Feudenheim. Nach der Brücke geht es scharf links in Richtung Görresstraße, die zu einem beeindruckenden Hochbunker am westlichen Ortseingang führt. Er fällt durch den Aufbau schon von Weitem auf. Ein Architekt ließ für sich und seiner Familie eine rundum verglaste Wohnung auf dem Dach errichten. Entlang der Körnerstraße begeistern alte Jugendstilvillen mit schön angelegten Gärten, die im süd-westlichen Teil das Stadtbild dominieren, während sich im Feudenheimer Norden einfachere Altbauten, Höfe und Scheunen befinden. Über Schwanenstraße und Christian-Morgenstern-Straße geht es wieder zurück zum Naturschutzgebiet am Neckar. Auf eine Lichtung folgt das beliebte Restaurant „Zum Neckartal“. 

Der Hochbunker in der Max-Frisch-Straße

Über die Talstraße geht es in nördlicher Richtung rechts zum Eberbacher Platz, einer alten Wohnsiedlung. Zwar herrscht kein einheitliches Bild vor, aber jede Häuserzeile hat ihren eigenen Charme. Links geht es über die Spessartstraße zu einer grünen Ader, die parallel zur Straßenbahnschiene zur Hauptstraße führt. Feudenheim hat neben Seckenheim eine ausgesprochen gute Infrastruktur. So findet man hier neben dem ältesten Gasthaus Mann-heims („Zum roten Ochsen“ von 1632) nicht nur Lebensmittelgeschäfte des täglichen Bedarfs, sondern auch inhabergeführte Boutiquen, feine Buch-handlungen und Geschäfte für moderne Wohnaccessoires und Geschenk-ideen. Eine Fahrt hier her lohnt sich immer, wenn man auf der Suche nach was Besonderem ist! Bevor die Route die Hauptstraße verlässt, befindet sich auf der linken Seite das Rathaus mit einem kleinen Vorplatz, den nebst Brun-nen eine Bronzeplastik schmückt, die „Vetter Schorsch und Baas Katrin“, zwei Feudenheimer Originale, beim Pläuschchen halten am Gartenzaun zeigt.

 Feudenheimer Rathaus mit Vorplatz in der Hauptstraße 52

Um die bebaute Anhöhe Paulusberg herum und über Pfalz-, Weinberg- und Schillerstraße passiert der Weg bäuerlichen Altbaucharme und steuert rechts entlang der Talstraße auf das Wahrzeichen Feudenheims zu, dem bewohnten Wasserturm von 1906. Er ist für mich der schönste Wasserturm in Mannheim und gleicht einem Leuchtturm an der Nordsee. Am Friedhof geht es über die Theodor-Storm-Straße an Felder und Wiesen vorbei in Richtung Wallstadt. Hier befindet sich auch der Verein Mikro Landwirtschaft. Zahlreiche Bürger betreiben hier seit geraumer Zeit gemeinschaftlich Gemüseanbau und folgen ihrer Vision einer blühenden und essbaren Stadt. Eine Idee, der ich nur zu-stimmen kann, wünschte ich mir doch zu den Streuobstwiesen in den Außen-bezirken, vermehrt auch die Bepflanzung von Obst- und Walnussbäumen neben klassischen Laubbäumen im Stadtkern.

 

 

Der Feudenheimer Wasserturm an der Talstraße / Ecke Andreas-Hofer-Straße

1. Streckenabschnitt der Route "Über Felder und Wiesen"

01  Start / OEG-Bahnhof am Friedrichsring

02  Fernmeldeturm am Hans-Reschke-Ufer

03  Riedbahnbrücke / Feudenheimer Schleuse / Maulbeerinsel

04  Hochbunker in der Max-Frisch-Straße

05  Eberbecher Platz

06  Feudenheimer Rathaus, Hauptstraße 52

07  Feudenheimer Wasserturm, Talstraße / Ecke Andreas-Hofer-Straße

 

 

Fahrtzeit der gesamten Strecke: 1 Std. und 50 Min.

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