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Teil 5 - Gebt dem Schloss seinen Garten zurück!

Das in Mannheim nicht alles Gold ist, was glänzt, möchte ich keines Falls abstreiten. Es gibt unzählige Bauten, die ich hässlich finde. Ein Ranking aufzustellen fällt mir da schon schwer. Werde ich aber gefragt, was der hässlichste Ort Mannheims ist, muss ich nicht lange überlegen: Der Schloßpark.

Die Großherzogin Stéphanie Louise Adrienne de Beauharnais ließ Anfang des 19. Jahrhunderts den Schlossgarten als Geschenk für die Bevölkerung (!) errichten. Mit Erfindung der Eisenbahn wurden Schienen von Ludwigshafen durch diese Grünanlage in Richtung HBF verlegt. Fortan war sie zweigeteilt. Das wäre ja viel-leicht noch zu verkraften gewesen. Allerdings entschied die Stadt vor einigen Jahrzehnten hier auch einen - man muss es leider so sagen - heute wichtigen Verkehrsknotenpunkt zu erschaffen. Der südliche Teil des Schlossgartens wird seitdem für den motorisierten Verkehr zusätzlich durch ein Geflecht aus Auf-und Abfahrten förmlich zerschnitten. Dazwischen ein undurchsichtiges Wege-Labyrinth für Fußgänger und Radfahrer. Hier folgt eine Brücke nach der anderen, an deren Pfeiler sich mehr oder weniger talentierte Sprayer austoben. Ganz offiziell. Von der Stadt gewollt. Ich interpretiere das als schlechtes Gewissen seitens der Stadt. Auf der einen Seite wird der Großherzogin mit einer Statue für ihr Engagement am gleichnamigen Ufer des Rheins bedacht, auf der anderen Seite wurde ihr grünes Erbe so mit Füßen getreten. Nun kommen immer mehr Touristen nach Mannheim und nicht wenige besuchen auch das Schloss. Aber in den kostenfreien Garten, der grünste und der Innenstadt näheste Zugang zum Rhein, verirren sie sich nicht. Verständlicherweise. Zu undurchsichtig das Areal. Welch große Aufwer-tung für unsere Stadt wäre es doch, wenn man von der Rückseite des Barockbaus die Schifffahrt über den Rhein beobachten und zudem belegen könnte, wie nah die Natur an die Quadrate reicht! Meine Forderung: Gebt dem Schloss seinen Garten zurück!

Dünnt dieses Wirrwarr an Auf- und Abfahrten aus oder grabt gleich einen Tunnel unter den Rhein! Dann ist zwar Ludwigshafen an dieser Stelle nur von der Mann-heimer Südtangente aus zu erreichen, der nördliche Verkehr kann aber über die von mir schon erwähnte Westtangente und Kurt-Schumacher-Brücke zu unserer Schwesterstadt geleitet werden. Genauso auch in umgekehrter Fahrtrichtung. Auf den Schildern steht dann am westlichen Eingang Ludwigshafen: Mannheim Nord (B44) und Mannheim Süd (B37). Mit dem aktuellen Ludwigshafener Hochstraßen-Dilemma wäre jetzt der richtige Zeitpunkt für eine nachhaltige und vor allem strukturierte Verkehrslösung günstig! Ein Tunnel scheint auf dem ersten Blick unwirtschaftlich. Aber würden nicht beide Städte an Attraktivität gewinnen und weitere Touristen anziehen? Mit dem Abriss der Konrad-Adenauer-Brücke und Hochstraße Süd gewinnt die Ludwigshafener Innenstadt. Ein Grüngürtel wäre zu überlegen. Und in Mannheim erhält unser Schloss endlich seinen Garten zurück!

Eine der unzähligen Betonschleifen im Schlosspark.

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