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Teil 3 - Über den Kampf des 48er Platzes und den Siegeszug des Bulldogs

Vorab: Wenn man IN Berlin-Kreuzberg oder Spandau wohnt, sagt man das auch so. Nicht so in Mann-heim. Wer also bei den Einheimischen nicht auffallen will, sollte folgendes beachten: Zwar lebt man IN der Neckarstadt oder IN Käfertal, aber man wohnt AUF dem Pfingstberg, AUF dem Waldhof oder AUF der Rheinau. Also alles was mit Berg, Hof und Au endet (+ AUF der Vogelstang, AUF Turley und AUF Franklin). Einzige Ausnahme: Neckarau – warum? Diese Frage konnte mir bis heute niemand beantworten.

Auch ist es interessant, warum der am Rhein gelegene Geburtsort der Tennislegende Steffi Graf so heißt. Diese Frage lässt sich aber glücklicherweise leicht beantworten: Der Neckar mündete einst schon hier in den Rhein, bevor er seinen Verlauf änderte. Darauf hin litt das nördlich gelegene Dorf Hermsheim unter den Folgen des Neckar-Hochwassers. Die Bauern gaben entnervt ihre Höfe auf und siedelten sich in Neckarau neu an. Darum heißt auch der heutige Stadtteil Mannheims an dieser besagten Hochwasser-stelle Neuhermsheim.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Blick auf den Neckarauer Marktplatz

 

Die Route führt zurück nach Alt Neckarau zur Friedrichstraße. Sie schlängelt sich ein Stück durch den Stadtteil und bildet mit dem Marktplatz das Zentrum. Einige kleine, feine Geschäfte haben sich hier ange-siedelt und laden zum Stöbern ein. Freitags bietet der Wochenmarkt ein breites Sortiment an frischen Waren und Blumen. Der Kapitän der deutschen Handball-Nationalmannschaft und ein waschechter Rhein-Neckar-Löwe Uwe Gensheimer hat sich mit einem ehemaligen Schulfreund zusammengetan und betreibt seit diesem Jahr ein Restaurant im 1888 errichteten Cornelienhof, ein schönes altes Gut, an der Friedrichstraße. Am Marktplatz befindet sich die Marien-Apotheke, die mit einem über 100 Jahre alten Jugendstil-Ambiente beeindruckt! Ein Stück weiter in der Rheingoldstraße / Ecke Rathausstraße befindet sich das Rathaus und das Heimatmuseum Neckarau. Darauf folgt die  St. Jakobus Kirche und die Matt-häuskirche, die älteste Kirche Neckaraus. Es geht rechts die Schulstraße hinunter und links in die Wa-

cholderstraße zum August-Bebel-Park. Nicht unweit entfernt befindet sich die Gehrings Kommode, eine urige Kneipe mit einer Kleinkunstbühne.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Matthäuskirche mit Pfarrhaus in der Rheingoldstraße 30

Der August-Bebel-Park mit seinen alten Bäumen ist ein wahrlich schöner Fleck Mannheims. Hier lässt es sich auf einer Parkbank entspannt ein Buch lesen oder auf einer Decke die Ruhe genießen. Er bildet auch das südliche Tor zum Almenhof, der mit einer gut 100 Jahre alten Siedlung der Gartenstadt-genossenschaft punktet. Die Mönchwörthstraße führt zu diesem wundervol-len Areal, dass zwischen der Neckarauerstraße, der Speyererstraße und der August-Bebel-Straße liegt. Das Zentrum bildet der Almenplatz der von der Almenstraße aus erreicht wird. Mit der Gestaltung aus roten Dächern, beige-farbenen Fassaden, Kassettenfenstern und braunen Fensterläden erhalten die meisten Häuser ein freundliches Erscheinungsbild. Kleine Vorgärten und schmale Gärten nach hinten raus bringen viel Grün in das Ensemble und machen diese Siedlung so lebenswert. 

 

 

Der Almenstraße

Über die August-Bebel-Straße führt die Route zum Herzen des Stadtteils. Vis á vis der Maria-Hilf-Kirche liegt der 48er Platz, ein Sport und Spielplatz, direkt an einem ehemaligen weiß gestrichenen Bunker. Die Stadt Mannheim plante vor einigen Jahren, diesen Platz zu bebauen um neuen Wohnraum zu schaf-fen. Die Bürger taten sich zusammen und protestierten lautstark und erfolg-reich gegen das Vorhaben. Mit einem jährlichen Familienfest auf dem Gelän-de demonstrieren sie, wie wichtig der 48er Platz für die Wohnqualität der Almenhöfer ist. Über die kurze Baumallee, Franz-Sigel-Straße, geht es rechts in die Straße „Im Lohr“ an der Markuskirche mit angrenzendem Pfarrhaus aus rotem Backstein vorbei. Gegenüber führt die Route entlang der Meeräcker-straße und dem John-Deere-Gelände wieder in Richtung Lindenhof.

 

 

 

Der 48er Platz auf dem Almenhof

Der gebürtige Friedrichshafener Heinrich Lanz stieg in den Kolonialwaren-handel seines Vaters ein, als dieser seine Spedition aufgrund der guten Infra-struktur nach Mannheim verlegte. Er übernahm den Vertrieb britischer Geräte und Maschinen. Mit einer anfangs kleinen Werkstatt und neuen Erfindungen wuchs das Unternehmen rasant an. Die Erfindung des berühmten Bulldog Traktors 1917 sollte Lanz allerdings nicht mehr erleben. Er starb Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Bulldog kam gleichzeitig mit einem amerikanischen Model auf den Markt. Sein Sohn Karl Lanz übernahm die Geschäfte. Nach seinem frühen Tod 1921 stiegen seine Mutter und seine Schwestern in das Unternehmen ein und führten die Geschäfte erfolgreich weiter. Im 2. Welt-krieg wurde das Firmengelände zu 90% durch Bombenangriffe zerstört und anschließend wieder neu aufgebaut. 1956 ging die Heinrich Lanz AG an das amerikanische Unternehmen John Deere. Ein 100 Jahre alter Wasserturm und einer aus den 1960er Jahren prägen das Lindenhofer Werksgelände.

Der ältere der beiden John Deere Wassertürme in der Landteilstraße

Die Route führt nach Landteilstraße 2x links in die Windeckstraße und dann rechts um den neugestalteten Hanns-Glückstein-Platz. Glückstein lebte viele Jahre in Mannheim und wurde als Dichter Pfälzer Mundart bekannt. Das neue Quartier rund um den Platz, dass sich noch in der Entwicklung befindet, wur-de ebenfalls nach ihm benannt. Ich mag es  sehr. Es liegt südlich des Haupt-bahnhofes und suggeriert Zugreisende mit dem ebenfalls im Bau befind-lichen Kepler-Quartier auf der gegenüberliegenden Seite Mannheim ein großstädtisches und modernes Flair.  Die Route passiert den Victoria-Turm und den Schlosspark in dem sich abseits der Straße ein weiteres Unterrichts-gebäude der Helene-Lange-Schule im weiß-schlichtem Bauhaus-Stil befin-det. Nach der Brücke und der Otto-Selz-Straße geht es wieder zum Schloss-hof. Auf dem Gehweg der Bismarckstraße sind mehrere Bronzeplatten in den Boden eingelassen. Mit der „Meile der Innovationen“, die zahlreiche Mann-heimer Erfindungen ehrt, endet diese Route durch den grünen Süden.

Zweites Unterrichtsgebäude der Helene-Lange-Schule im Schlosspark

3. Streckenabschnitt der Route "Im grünen Süden"

01  Alt-Neckarau mit Friedrichstraße und Marktplatz

02  Matthäuskirche, Rathaus und Heimatmuseum Neckarau in der     

       Rheingoldstraße

03  August-Bebel-Park

04  Almenplatz und Straße

05  48er Platz

06  Landteilstraße / John Deere Werksgelände mit 2 Wassertürmen

07  Hanns-Glückstein-Platz

08  Victoria-Turm und Helen-Lange-Schule

09  Ziel / "Meile der Innovationen" auf der Bismarckstraße

 

Fahrtzeit der gesamten Strecke: 1 Std. und 45 Min.

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