· 

Teil 1 - Über gefangene Päpste und ehrenvolle Geschenke

Die neue Route führt dieses mal südlich des Schlosses durch die Stadtteile 

Lindenhof, Almenhof, Niederfeld und Neckarau. Ich freue mich sehr darauf, sie Euch vorzustellen, denn sie beinhaltet die zwei grünen Adern, die mich dazu bewogen haben, diesen Blog zu eröffnen! Sie sind eine echte Bereiche-rung und ich beneide die Anwohner sehr. 

Über den hinteren Schlosshof an der Mensa vorbei geht es über eine kleine Brücke und dann rechts unter sie hindurch. Immer geradeaus weiter gelangt man in den Schlossgarten und ein Stück weiter zum „Gasthaus am Fluss“ mit mediterranem Flair und tollen Blick auf den Rhein. Hier an den Rheinterras-sen, eine große Rasenfläche mit schattenspendenden Bäumen, befindet sich auch die Mannheimer Jugendherberge, die 2013 bei einem dramatischen Hochwasser des Rheins förmlich ersoff. Dabei war die alte Substanz gerade für mehrere Millionen saniert worden. Die Schäden konnten zum Glück alle-samt behoben werden. 

Der Schlosspark mit dem Victoria-Turm im Hintergrund.

Ein Stück weiter lässt es sich nur schwer vorstellen, das einst im 14. Jahrhun-dert hier die mächtige Zollburg Eichelsheim errichtet wurde, da das Dorf Mannheim günstig an wichtige Fernhandelsstraßen lag. Pedantisch wurde darauf geachtet, dass keiner der Kaufleute unbeobachtet an ihm vorbei kam. Der entrichtete Wegzoll wurde weiter für die Infrastruktur verwendet. Aller-dings waren Beträge nicht festgelegt, so dass es hier vermutlich wie überall zur Willkür kam. Daher auch der Begriff des Raubritters. 1622 wurde die Burg im Dreißigjährigen Krieg in Brand gesetzt, 66 Jahre später vollends zerstört. Was zurückblieb ist ein Gedenkstein und zahlreiche Geschichten, wie die von der Inhaftierung eines Papstes.

 

 

 

Vor gut 600 Jahren stand mal hier die Zollburg Eichelsheim, heute findet man üppigen Blumenschmuck an den Balkonen - Blick vom Stephanienufer

Entlang des Stephanienufers gelangt man in den Waldpark, eine der großen Lungen Mannheims und ein beliebtes Ausflugsziel. Obwohl er ganz selbstverständlich zu den südlichen Stadtteilen dazugehört, sei er an dieser Stelle nur erwähnt, da der Waldpark Teil einer anderen Route sein wird, die ich noch auf diesem Block vorstellen werde. Das Ufer ist nach der Großherzogin Stéphanie Louise Adrienne de Beauharnais, der Adoptivtochter Napoléon Bonaparte, benannt. Sie und ihr Gemahl Erbprinz Karl von Baden bezogen nach ihrer Vermählung 1806 das Mannheimer Schloss. Stéphanie ließ den Schlossgarten errichten - ein Geschenk für die Bevölkerung, da er zum Großteil öffentlich zugänglich war. 

Diese Route führt nun links zwischen der Jugendherberge und dem ehemaligen Standort der Zollburg hoch zum Lindenhof und gleich scharf rechts in die Rennershofstraße. Nach der Kurve folgt rechts die Rheindammstraße, auf der kurz darauf die Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete evangelische Johan-niskirche folgt. Durch einen Bombenangriff im 2. Weltkrieg wurde sie vor allem im Inneren erheblich zerstört. Mit Wiederaufbau entschied man sich gegen eine Rekonstruktion und für eine moderne Innen-gestaltung. Die Johanniskirche und die benachbarten Kirchen auf dem Almenhof und in Neckarau wurden nach den 4 Evangelisten Johannis, Matthäus, Markus und Lukas benannt.

 

 

 

 

 

 

 

Evangelische Johanniskirche in der Rheinaustraße 21-23

 

Der Lindenhof galt mal als Renterviertel, hat sich aber in den letzten Jahren dermaßen gemausert, dass man schon hinter vorgehaltener Hand vom Mannheimer Prenzlauer Berg spricht. Dabei profitiert er wie in anderen Teilen der Stadt von jungen und engagierten Gastronomen, die mit ihren modernen Konzepten zur Attraktivität der Stadt beitragen. Wie zum Beispiel auf der Meerfeldstraße, die vom Victoria-Turm aus zum Lanz-Park verläuft. Hier steht die über 100 Jahre alte Lanz-Kapelle. Sie war ein Geschenk des Traktor-Erfin-ders Heinrich Lanz und seiner Frau und neben dem dazugehörigen Kranken-haus dem Abriss geweiht, wurde aber von der Lindenhöfer Bevölkerung gerettet. Sie wurde Stück für Stück abgetragen und an fast identischer Stelle wieder aufgebaut und wird heute u.a. als Trausaal genutzt. Jedes Jahr im Sommer findet das beliebte Lanz-Park-Fest statt. An zwei Tagen locken neben einer Vielzahl an Attraktionen, Livemusik und verschiedene Leckereien viele Familien in den Park.

Die Lanzkapelle im Lanz-Park an der Meefeldstraße

Rechts am neu gestalteten Meeräckerplatz vorbei, an dem zweimal die Woche Markt ist, geht es zuerst in die Meerwiesenstraße, dann links in die Haardt-straße und gleich wieder rechts Richtung Pfalzplatz. Auch wenn sich hier ein Gemeinschaftsgarten etabliert hat, wie zu Hauf in Mannheim – und mit den tausenden von Schrebergärten im gesamten Stadtgebiet kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass wir Mannheimer die Spitzenreiter im Gärtnern sind – sollte dringend eine Entsiegelung und eine modernere Umgestaltung des Platzes in Erwägung gezogen werden. Über die Donnersbergstraße ge-langt man zum Kalmitplatz, eine kleine Rasenfläche umsäumt von alten bun-ten Reihenhäusern. Am Ende links geht der Weg über die Schwarzwaldstraße an der prachtvollen Baumallee Speyererstraße vorbei ins Schwarzwaldvier-tel, ein Teil des Niederfelds, mit beeindruckend schönen und beeindruckend fragwürdigen Stadtvillen. Die Route lässt vorerst den Lindenhof hinter sich und führt nun zur ersten wundervollen grünen Ader der Stadt: Die Parkau

Der Lindenhöfer Kalmitplatz

1. Streckenabschnitt der Route " Im grünen Süden"

01  Start/ Barockschloss Mannheim, Bismarckstraße

02  südlicher Schlosspark

03  Rheinterrassen an der Rheinpromenade

04  ehemaliger Standort der Zollburg Eichelsheim, zwischen  

       Rheindammstraße und Stéphanienufer

05  Johanniskirche, Rheinaustraße 21-23

06  Lanzkapelle in der Meerfeldstraße 87

07  Pfalzplatz

08  Kalmitplatz

09  Villenviertel nördlich und südlich der Speyererstraße

 

Fahrtzeit der gesamten Strecke: 1 Std. und 45 Min.

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0