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Teil 4 - Über Futuristisches und Historisches

Über den  Altigweg (nach den beiden Brüdern und Radrennprofis Rudi und Willi Altig benannt) geht die Route links runter zum Herzogenriedpark. Nach wenigen 100m dem Weg „Am Weingarten“ folgen und bis zum Ende fahren. Anschließend die Herzogenriedstraße schräg links überqueren, um in die Seitenstraße einzubiegen. Hier befindet sich das historische Haupttor der größten Justizvollzugsanstalt Baden Württembergs, auch „Café Landes“ ge-nannt. Die heutige und moderne Torwache liegt weiter links. Die JVA wurde wie viele der schon auf diesem Blog gezeigten Sehenswürdigkeiten Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet. Der sternförmige Bau bietet um die 750 Haft-plätze. Einen eindrucksvollen Blick auf das Gebäude bekommt man von der Hafenbahnstraße am Daimler-Werk, spektakulärer nur noch aus der Vogel-perspektive. Am denkmalgeschützten Tor befindet sich das Café „Knack-punkt“ der JVA mit hausgemachtem Brot und leckerem Frühstücksangebot.

Ehemaliges Haupttor der JVA Mannheim, vis á vis das Café Knackpunkt,

Herzogenriedstraße 117

Über den Weg „Am Sonnengarten“ geht es wieder zurück zur grünen Ader und rechts in Richtung Neuer Meßplatz. Beim nächsten links Abbiegen pas-siert man eines der zumindest in der Fachwelt bekanntesten Gebäude Mann-heims. Die Multihalle. Sie befindet sich im Herzogenriedpark und wurde vom Architekten Frei Otto im Rahmen der BUGA 1975 entworfen und ist bis heute die größte freitragende Holzgitterschalenkonstruktion der Welt! Anfangs mit einem schwarzen, dann mit einem weißen Gewebe bezogen, gleicht sie von oben einem Raumschiff und ist im Inneren nicht minder spektakulär. Leider hat das futuristische Gebäude seine beste Zeit hinter sich. Bilder der BUGA zeigen, wie toll es einst innen aussah, und treiben einem die Tränen in die Augen. Aber nach langem Dornröschenschlaf wird der denkmalgeschützte Bau endlich saniert und soll wieder zu einem Ort der Begegnungen werden. Für mich hat er den gleichen Stellenwert, wie der Metropol Parasol in Sevilla. Die BUGA 2023 wäre ein guter Anlass für eine professionelle Vermarktung.

Die Multihalle im Herzogenriedpark, Haupteingang an der Max-Joseph-Straße

Der Haupteingang zum Herzogenriedpark, dem kleinen Bruder des Luisen-parks, befindet sich am Neuen Meßplatz. Auf dem Platz selber findet nicht nur 2x im Jahr das größte Volksfest der Region, sondern auch an einigen Samstagen im Jahr der nicht nur bei den Neckarstädtern beliebte Krempel-markt statt.  Über den Schulhof der IGMH (Integrierte Gesamtschule Mann-heim-Herzogenried) und durch einen kleinen Park gelangt man zur Erlen-hofsiedlung an der Waldhofstraße, das größte und erste Sozialwohnungs-projekt der GBG in Mannheim Ende der 1920er Jahre. Für die damalige Zeit wurden die Häuser sehr fortschrittlich gebaut. Die Toiletten befanden sich innerhalb der jeweiligen großzügig geschnittenen Wohneinheiten, die u.a. Beamten vorbehalten waren. Nach einer größeren Sanierungsaktion strahlen die Fassaden der verbliebenen Gebäude (viele wurden im 2. Weltkrieg zer-stört) in einer hellen grün/weiß Kombination. Westlich der Waldhofstraße befinden sich zudem die letzten beiden Innenhöfe der Siedlung. 

Erlenhofsiedlung in der Waldhofstraße - www.mannheimer-krempelmarkt.de

Über die Erlenstraße führt die Route weiter tiefer in den westlichen Teil der Neckarstadt, vorbei an der Humboldtschule, eine der vielen imposanten (aber auch sanierungsbedürftigen) Schulgebäude in Mannheim, deren Fassade noch auf die damalige Geschlechtertrennung hinweist. Der Eingang links war für die Jungs bestimmt, der rechte für die Mädchen. Links der Zehntstraße geht ein Rad- und Gehweg zur Pestalozzistraße, an der sich vor Kopf eine Arbeiter-Statue befindet. Am Ende der verkehrsberuhigten Straße steht an der Mittelstraße die katholische Herz-Jesu-Kirche im Neuromanischen Stil. Sie wurde Angang des 20 Jahrhunderts infolge der Wohnbebauung in der Neckarstadt errichtet, als immer mehr Menschen wegen der Arbeit nach Mannheim kamen. Die großzügigen Gärten der Quadrate-Bewohner mit schicken Lauben, die die Neckarstadt prägten, mussten weichen. Heute erinnern nur noch die an der Herz-Jesu-Kirche nahegelegenen Zehnt- und Elfenstraße daran, dass einst die vom Alten Meßplatz aus parallel verlaufenden Wege nach Zahlen geordnet waren(und zwar aufsteigend).

Zwischen diesen beiden Straßen befindet sich übrigens in der Mittelstraße 73 das neue Improtheater von Comedian und Moderator Jens Wienand. 

 

 

 

 

 

 

 

Herz-Jesu-Kirche an der Mittelstraße / Ecke Pestalozzistraße 

schräg gegenüber das neue Improtheater - www.improtheater-mannheim.de

Über die Bürgermeister-Fuchs-Straße geht es weiter zum Ochsenpferch-bunker nahe des gleichnamigen und historischen Pumpwerks auf der anderen Seite der Jungbuschbrücke. Er beheimatet das MARCHIVUM, dem Stadtarchiv. Es ist ein Prestigeprojekt und aktuell Mannheims größter Stolz. Neben der Archivierung schriftlicher und medialer Dokumente, die auch wissenschaftlichen Zwecken zur Verfügung stehen, befinden sich in dem Bau Ausstellungen zu Stadtgeschichte und zur NS-Zeit. Auf dem Bunker wurden zwei zusätzliche rundumverglaste Geschosse mit Büros und Seminar- und Vortragsräumen errichtet. Zum weiteren Angebot gehören regelmäßige Führungen, öffentlicher Zugang zum Archivbereich mit 13 Regal-Kilometern an Dokumenten sowie extra eingerichteten Lesesälen und einer Online-Abrufung zum historischen Erbe Mannheims und vielleicht sogar zur eigenen Familiengeschichte!

 

MARCHIVUM am Archivplatz 1 / Ecke Bürgermeister-Fuchs-Straße

4. Streckenabschnitt der Route "Willkommen in meinem Quartier"

01  JVA Mannheim, Herzogenriedstraße 117

02  Multihalle im Herzogenriedpark, Zugang: Max-Joseph-Straße / Neuer    

       Meßplatz

03  Erlenhofsiedlung an der Waldhof- und Erlenstraße

04  Humboldtschule, Gartenfeldstraße 20-22

05  Arbeiterskulptur an der Riedfeldstraße / Ecke Pestalozzistraße

06  Herz-Jesu-KIrche, Pestalozzistraße / Ecke Mittelstraße

07  MARCHIVUM, Archivplatz 1 / Ecke Bürgermeister-Fuchs-Straße

 

 

Fahrtzeit der gesamten Strecke: 1 Std. und 30 Min.

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