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Teil 3 - Über neue Sachlichkeit und einem alten Irrglauben

Am östlichen Eingang des Herzogenriedparks folgt die Route rechts am Windsorplatz vorbei der Hochuferstraße direkt zur katholischen Jugendstil-kirche Bonifatius, die bei untergehender Sonne schon fast golden glänzt. Es geht nochmal kurz zurück in den Stadtteil Wohlgelegen und hinter der Kirche links in die Weylstraße. Hier befinden sich Blockbauten der 1920er Jahre, die heute wie damals Menschen mit kleinerem Einkommen Wohnraum bieten. Sie bestehen aus rotem Klinker, auffällig sind die grünen Eingangstüren und breiten Sprossenfenster. Stilistisch sind die Bauten mit begrünten Innenhöfen der Neuen Sachlichkeit zu zuordnen. Besonders an der Ecke Weylstraße / Liebigstraße entfaltet sich der Charme dieser Bebauung mit kleinen Vorgär-ten und Bäumen, die die Häuser in der Garnisonstraße auch verdient hätten. Straße und Gehwege sind überdurchschnittlich breit hier. Möglich wäre es. Den Anwohnern wäre es zu wünschen.

 

Neue Sachlichkeit in Wohlegelegen - Blick in die Liebigstraße

Über die Liebigstraße geht es zurück auf die andere Seite der B38.

Hier befindet sich die 120 Jahre alte Kaiser-Wilhelm-Kaserne, die seit der Besatzung der Amerikaner 1945 Turley Barracks genannt wird (Samuel J. Turley: im 2. Weltkrieg gefallener afroamerikanischer Soldat). Rund um den Appellplatz mit alten Kastanienbäumen und auf den ehemaligen Abstell-flächen der Militärfahrzeuge entsteht seit 2007 eine Mischung aus gehoben-em und sozialem (betreutes und inklusives Wohnen, sowie dem Mietsyndikat angehörigen Wohngruppen) Wohnraum, sowie innovatives Gewerbe und Gastronomie.

Das Areal mit den roten Sandsteinbauten zieht besonders am Wochenende viele Neugierige an. Leider hat es auch schon seinen ersten Skandal hinter sich. So wurde Anfang des Jahres öffentlich, das der Ankerinvestor einen Bauplatz für das 6-fache des Kaufpreises veräußert hat. Sowohl er als auch die Stadt Mannheim sahen sich scharfer Kritik ausgesetzt.

Turleyplatz, Zugang über Grenadierstraße

Gleich neben Turley befindet sich die Siedlung „An den Kasernen“ von 1920. Die Straße beginnt mit zwei ehemaligen Pförtnerhäuschen und endet an einem Platz. Die Häuser der GBG wurden erst vor wenigen Jahren saniert: Rote Dächer, grüne Fensterläden und eine helle und freundliche Fassade. Bäume säumen den Weg, kleine Gärten gehen nach hinten raus. Vorbei an "Little New York", wie ich scherzhaft die Neubauten hinter den Kasernen nenne, folgt ein ebenso gelungenes Bauprojekt der GBG. Die Mehrfamilien-häuser am Ulmenweg habe ich noch als ziemlich verwohnt in Erinnerung. Was die Verantwortlichen daraus gemacht haben, beweist mir, dass viele dieser verteufelten Zweckbauten eine 2. Chance verdient haben und zu einer attraktiven Wohnanlage umgestaltet werden können. So wurde die Fassade mit verschiedenen Pastelltönen farblich unterteilt. Die Bauten wirken nun wie bunte Reihenhäuser. Hinzu kommen grüne Fensterläden, neuangebrachte, großzügige Balkone, barrierefreie Zugänge und neuangelegte Grünanlagen. 

An den Kasernen

Nach ein paar Schlenkern führt der Weg zu einer grünen Ader, die gegen den Uhrzeigersinn um ein Wohngebiet verläuft und in einem Park mündet. In naher Zukunft wird sie diesen Park auf dieser Seite mit einem neuen auf der anderen Seite, genauer gesagt auf dem Turley-Areal, verbinden. Schon heute erhole ich mich hier bei schönem Wetter, wie viele andere auch, bei einem sonntäglichen Spaziergang und erfreue mich an diesen schmalen Streifen Natur in der Stadt. Über den Ulmenweg hinweg geht es zu einer weiteren Kaserne, die zu einem Studentenwohnheim umgebaut wurde, und zum Neubaugebiet Centro Verde. Hier befindet sich auch eine neu angelegte Grünfläche, die leider scheinbar nur halbherzig gepflegt wird. Zwar verleiht der Rasenstreifen und die Birken im Zusammenspiel mit den weißen Neu-bauten der Siedlung einen modern Touch, aber die Sitzbänke aus Naturholz und Stein wurden durch die Witterung schon arg in Mitleidenschaft gezogen, der Rasen durch den heißen Sommer ordentlich überstrapaziert. Schade.

Der Park zwischen Ulmenweg und Am Exerzierplatz

Von Centro Verde aus geht es zum Herzogenried, der im Gegensatz eines weit

verbreitetem Irrglauben kein Stadtteil ist, sondern eine Wohnbebauung, wie das aktuelle Keplerquartier oder dem Glückssteinquartier nördlich und süd-lich des Hauptbahnhofes. Beide sind Teil der Schwetzinger-Stadt bzw. des Lindenhofs. Die Bebauung entstand im Zusammenhang mit der BUGA 1975 und bietet zusätzlich zum Herzogenriedpark viel Grün! Nebst Kleintierzucht-verein und Kleingartenanlage, Sportplatz, Minigolfanlage und Radrennbahn, finden sich viele Wiesen, schattenspendende Bäume und wie kann es auch anders sein, wieder eine grüne Ader, die sich durch das Gebiet schlängelt und bis zur Erlenhofsiedlung an der Waldhofstraße geht.

Aber auf dem Weg dorthin, gibt es noch zwei interessante Gebäude, an die man nicht achtlos vorbeifahren sollte...

 

 

Hochhochhaussiedlung an der Hochuferstraße

3. Streckenabschnitt der Route "Willkommen in meinem Quartier"

01  Bonifatiuskirche

02  Häuserblocks "Neue Sachlichkeit", Weylstraße

03  Turley-Barracks, Turleyplatz

04  An den Kasernen

05  60er Jahre Bauten am Ulmenweg

06  Grüne Ader hinter "Am Exerzierplatz"

07 Centro Verde, Helene-Hecht-Ring

08  Herzogenried

 

Fahrtzeit der gesamten Strecke: ca. 1 Std. und 30 Min. 

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