· 

Teil 1 -Iwwer de Brick

Der zweitgrößte Binnenhafen Deutschlands ist in Mannheim einer der größten Arbeitgeber und wichtiger Wirtschaftsstandort. Er erstreckt sich im Süden von Rheinau bis zum Großkraftwerk in Neckarau und von den Quadraten aus weiter entlang des Altrheins bis nach Sandhofen. Hier herrscht den ganzen Tag über Betriebsamkeit. Da es kaum Radwege gibt, bleibt nur die Fahrt auf der Straße. Ein mitunter gefährliches Unterfangen, wenn man nicht wachsam die LKW im Blick hat. Darum bietet sich eine Radtour vorzugs-weise an einem Sonntag an, wenn der alltägliche Betrieb still steht.

In "Iwwer de Brick" besingt zwar die 2017 verstorbene Joy Flemming die Kurpfalzbrücke, aber ihr Neckarbrückenblues passt auch gut zu dieser Route. Sie führt durch den Innenstadt nahen Container-hafen mit seinen zahlreichen Hubbrücken und rund um die Friesenheimer Insel und bietet einen tollen Blick auf über 100 Jahre alte Getreidespeicher und Mühlen, die mächtig und imposant von der Industria-lisierung erzählen und endet im Jungbusch, Mannheims einst verruchtes Hafenquartier mit zahlreicher Gastronomie.

Start ist in der Rheinstraße (verlängerte Planken) am Haus in E7, 22 mit dem Mural "Europe" von BEZT (ETAM), an der sich eine tieferliegende Grünanlage befindet, überdacht und zerschnitten von einem Geflecht aus Straßenbahnschienen und Zu- und Abfahrten der Kurt-Schumacher-Brücke, die Mannheim über den Rhein mit Ludwigshafen verbindet. Kein schöner Ort. Und des Nachts ein sicherer schon dreimal nicht.

 

 

 

 

Mural "Europe" von BEZT (ETAM) in E7, 22 - weitere Infos unter: www.stadt-wand-kunst.de

Rechts um diese Grünanlage, überquert der Weg den Luisenring. Nach der Akademiestraße geht es linker Hand über den Verbindungskanal ins Hafen-gebiet. Hier im Mühlauhafen befindet sich die gleichnamige Hubbrücke von 1959. Eigentlich hatte die staatliche Rhein-Neckar Hafengesellschaft Mann-heim neben der heute denkmalgeschützten Teufelsbrücke im Jungbusch auch den Abriss dieser Brücke in der Werfhallenstraße geplant. Der Plan der HGM war, den Mühlauhafen vom Verbindungskanal zum Neckar zu trennen und einen Damm zu bauen, der einen reibungslosen Verkehrsfluss begünstigt und die Kapazität der Containerterminals gestärkt hätte. Doch der Bund Deutscher Architekten reichte damals beim Regierungspräsidium in Karls-ruhe einen Antrag zum Erhalt der Brücke ein. Das RP in Karlsruhe befürchtete durch das Kappen zweier zusammenhängender Kanäle eine schlechtere Wasserqualität und gab u.a. deswegen dem Antrag statt und die Mühlau-brücke wurde unter Denkmalschutz gestellt.

Mühlaubrücke in der Werfthallenstraße

Der Straße weiterfolgend kommt nach dem Kreisverkehr ein ehemaliger Getreidespeicher, der das Hotel Speicher7 und mit dem Marly, ein weiteres Mannheimer Sterne Restaurant, beheimatet. Speicher7 ist neben Café Flo in der Oststadt, dem Café Lido in der Schwetzinger-Stadt und Not the Same, einem Conceptstore mit dem Blumenladen am Wasserturm, eine der zahl-reichen Erfolgsgeschichten des Wahl-Mannheimers und Floristen Jürgen Tekath und gewann 2013 den European Hotel Design Award.

Tekaths Kreativität und Gespür für Ästhetik begeistert viele Mannheimer und lockt die Menschen auch von außerhalb an. Doch sein Herz hat er nach wie vor an seine Blumen verloren und so trifft man den herzlichen, bodenständig gebliebenen Unternehmer meistens hinter dem Verkaufstresen seines Blumenladens am Friedrichsplatz an.

Am Speicher7 docken regelmäßig Flusskreuzfahrtschiffe an, die den Rhein rauf und runter fahren, und zahlreiche Touristen in die Stadt bringen. 

Hotel Speicher 7, Rheinvorlandstraße 7

Der Weg führt wieder ein Stück zurück, links am Kreisverkehr vorbei in die Rheinkaistraße und dann rechts in die Fruchtbahnhofstraße und am Zollamt wieder rechts zur Mühlaubrücke. Nach dem Überqueren nächste Möglichkeit rechts und dann gleich wieder links in die Güterhallenstraße. Für ein Hafengebiet ist diese Straße recht grün, viele alte Bäume am Wegrand schmücken diese Straße. Dazu reihen sich alte Wohnhäuser früherer Eisenbahnmitarbeiter ein. An der Neckarspitze geht es zwei Mal rechts und dann flussaufwärts zu einer weiteren auffälligen Hubbrücke mit hohem Bekanntheitsgrad. Denn hier steht der Musikpark Mannheim, der mit der Popakademie gegründet wurde und Existenzgründer im Musikbusiness ein Zuhause gibt. Freunde der elektronischen Musik würden die knall-gelbe Brücke auf einem Foto sofort wieder erkennen, denn die Open-Air Partys hier direkt am Verbindungskanal sind legendär! Der Fotograf Bernd Lindemann hat mit seinen Mannheim-Postkarten ihr ebenfalls ein Denkmal gesetzt.

Hubbrücke in der Neckarvorlandstraße am Rande des Jungbuschs

1. Streckenabschnitt der Route: Alles am Fluss

01   Start/ Mural "Europe" von BEZT (ETAM) in E7,22

02   Mühlaubrücke in der Mühlaustraße

03   Speicher7 / Anlegestelle Flusskreuzfahrtschiffe / Blick zur Ludwigshafener

        Rheingalerie, Rheinvorlandstraße 7

04   Ehemalige Eisenbahnmitarbeiterhäuser in der Güterhallenstraße

05   Alte Güterhallen in der Güterhallenstraße

06   Hubbrücke in der Neckarvorlandstraße

07   Musikpark Mannheim

 

 

Reine Fahrtzeit der gesamten Strecke: 1 Std. und 10 Min.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0