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Teil 5 - Im Sinne der Jugend

Es ist vielleicht vermessen zu behaupten, das Thema interessiere nur die Jugend. Aber gerade bei ihnen zeigt sich, dass das Auto, neben der negativen Öko-Bilanz, nicht mehr als Statussymbol gilt und letztendlich auch irgendwie, neben all den anderen gestiegenen Lebensunterhaltungskosten finanziert werden will.  Außerdem hat sich auf dem Markt einiges getan. Es gibt komfortable Kinderwägen, die einfach ans Rad angehängt werden können, Lastenräder, E-Bikes und günstige Fahrradverleihe. Immer mehr Menschen steigen um aufs Rad. Auch in DER Fahrradstadt Mannheim, die, vor dem 200-jährigen Jubiläum zu Karl Drais Jungfernfahrt in Mannheim in 2017, irgendwie keine war. Es gab in der Zeit davor durchaus Überlegungen, das Radnetz weiter auszubauen, z.B. auf der Bismarckstraße, die am Schloss vorbei führt. Aber insbesondere der Einzelhandel wehrte sich in diesem Fall über Jahrzehnte vehement gegen diese Pläne. Der motorisierte Verkehr würde beschnitten und die Menschen kämen weniger in die Stadt, war die Begründung. Heute haben wir den Radweg und ich nicht den Eindruck, das der Einzelhandel aufgrund dessen den Bach runtergeht.

Nun entstehen sogar ganze Fahrradstraßen. Mit der Berliner Straße in der Oststadt zwischen Nationaltheater und Rosengarten entstand die zweite quadratenahe Fahrradstraße und soll nach Willen der Stadt an Friedrichsplatz vorbei bis kurz vorm Hauptbahnhof verlängert werden. Auch die Richard-Wagner-Straße in der Schwetzinger wird umgebaut. Mit dieser geänderten Verkehrsinfrastruktur wird die Fahrt zu den Quadraten für viele Bewohner deutlich attraktiver. An den Zufahrten ist der Straßenbelag rot markiert, die typischen Fahrrad-Piktogramme weisen, nebst Schilder, darauf hin, dass der radelnde Verkehrsteilnehmer hier Vorrang hat. Das Tempo des motorisierten Verkehrs ist leider nur auf 30km/h beschränkt und nicht wie in Heidelberg auf 20 oder 15km/h.  Darum hat sich für mich gefühlt als Radfahrer nicht viel geändert. Vielleicht habe ich mehr Rechtssicherheit. Aber dann hört´s auch schon auf. Ich erwarte von einer Fahrradstraße, dass sie weites gehend frei vom motorisierten Verkehr ist. Sprich, allein Anwohnern und Dienstleistern die Zufahrt auf Fahrradstraßen gewährt wird. Das allein wäre konsequent und ein ehrlich gemeintes Statement von Seiten der Stadt. 

Vom Mannheimer Einzelhandel wünsche ich mir, dass er diesmal die verkehrsinfrastrukturelle und gesellschaftliche Veränderungen annimmt und mit der Stadt an einem Strang zieht, denn die Kaufkraft der Bürger, die mit dem Rad in die Quadrate kommen, sollte nicht unterschätzt werden. Würde er sich im Rahmen der Neugestaltung der Zufahrtsstraßen zu den Planken bzw. Breitestraße für deutlich mehr Fahrradständer einsetzen, wäre das ein starkes Signal nach außen.

Hausfassade in der Richard-Wagner-Straße

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