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Teil 3 - Über Antriebskraft und reges Treiben

An der Augustanlage auf dem Carl-Reiß-Platz, einer Grünanlage, befindet sich der Mannheimer Kunstverein, auf dessen Rückseite das Kunstwerk „Himmelskugel“ des 2014 verstorbenen Künstlers Mo Edoga zu sehen ist, das aus Schwemmholz besteht. Der gebürtige Nigerianer hatte es zu Lebzeiten aus dem Rhein gefischt. Seit seinem Tod will sich niemand für das Objekt verantwortlich fühlen, und so kann man weiter beobachten, wie die Natur totem Holz wieder Leben einhaucht. 

 

 

 

 

 

 

 

 Mannheimer Kunstverein in der Augustanlage 58

Vom Platz aus führt ein Weg rechts an der Helene-Lange-Schule vorbei zum Alten Postamt aus dem Jahr 1926 im expressionistischem Stil an der Seckenheimer Straße. Ein kleiner Vorplatz mit einem stattlichen Baum in der Mitte lädt zum Verschnaufen ein. Die Seckenheimer Straße ist die wohl längste Einkaufsstraße in Mannheim und durchquert die Schwetzinger-Stadt hier vom Osten nach Westen. Der Stadtteil ist gerade wegen der guten Infrastruktur, dem hohen Altbaubestand und der Nähe zu den Quadraten bei Studenten und jungen Familien beliebt. Kleine Inhabergeführte Läden mit modernen Konzepten, zahlreiche Cafés und Eisdielen mit Terrassen laden zum Flanieren ein.

 

 

 

Diese beliebte Eisdiele an der Ecke Otto-Beck-Straße ist eine der zahlreichen Gastrobetriebe und Lebensmittelhändler auf der Seckenheimerstraße.

Über die Burgstraße vis á vis geht es nächste rechts in die Augartenstraße, in der sich die St. Peters und die Friedenskirche befinden. Ihre Türme sieht man insbesondere von Neckarau aus schon von Weitem. Wieder rechts geht es über die Traitteurstraße zurück zur Seckenheimer Straße und an der Raben Drogerie vorbei. Der Geschäftsführer ist noch von der alten Schule und hat viele Tipps und Tricks bei Haushalt und Unwohlsein parat und mischt Arznei- und Reinigungsmittel selbst.

Nun gehts einmal ums Carrée. Über Otto-Beck-, Richard-Wagner- und Karl-Ludwig-Strasse zurück zur Seckenheimer entdeckt man einen der schönsten Orte Mannheims. Prachtvolle Wohnhäuser des Jugendstils oder der Neuen Sachlichkeit gibt es hier zu bestaunen. Rechts geht es über die Einkaufsstraße weiter zur Heilig-Geist-Kirche, dem katholischen Pendant zur Christuskirche.

 

 

Die Heilig-Geist-Kirche in der Moltkestraße 14

Gegenüber der Kirche befindet sich der ältere Teil der Kunsthalle. Das Jugendstilgebäude eröffnete 1909 und sollte unter der Leitung Fritz Wicherts, nicht nur dem intellektuellen und wohlhabenden Bürgertum, wie es zu dieser Zeit üblich gewesen war, sondern für jedermann zugänglich sein. Seine „Mannheimer Bewegung“ sorgte Deutschlandweit für Schlagzeilen und das Echo war nicht durchweg positiv. Auch sein Nachfolger, Gustav Friedrich Hartlaub, sollte die Kunstwelt prägen. Mit seiner Ausstellung mit dem Namen „Neue Sachlichkeit“ leitete er eine neue Kunstrichtung ein, die sich in der Malerei auf minimalistischer Weise auf Alltag und Realem konzentrierte und sich auch in Architektur (Bauhaus) und Literatur durchsetzte und fest für die Zeit der Weimarer Republik steht.

 

 

Auf der Rückseite der Kunsthalle am Friedrichsplatz befindet sich auch ein Skulpturenpark.

Der Neubau wurde vor gut zwei Jahren eingeweiht. Er ersetzt den Mitzlaff-Bau aus den 80er Jahren, der sich zwar optisch in das Jugenstilensemble am Friedrichplatz einfügte, aber im Innern nicht mehr den neusten Standards entsprach. Das Projekt wurde trotz Bürgerwehr durchgesetzt, nicht zuletzt weil Hans-Werner Hector, Mitbegründer des Softwareunternehmens SAP, 50 Millionen Euro spendete. Im Innern beeindruckt u.a. das 22m hohe Atrium, an dessen Decke eine Uhr hinunterhängt, die mit einem größeren Stein als Gegengewicht, sich kontinuierlich im Uhrzeigersinn dreht. Von außen ist der Bau durchaus kritisch zu betrachten. Der Komplex wurde mit einem bronzefarbigen Netz ummantelt, das leider nicht wirkt. Das liegt, meiner Meinung nach, an der Außenfassade selbst. Der Mantel kann nicht im Sonnenlicht glänzen, da der Untergrund einfach zu dunkel ist. Ansonsten mag ich persönlich den Bau, grad wegen des Kontrastes zum Jugendstil-ensemble.

Die Kunsthalle am Friedrichsplatz, in unmittelbarer Nähe: das Benz-Denkmal

Mit einer Ehrenrunde um den Friedrichsplatz endet diese Tour. Vorbei an dem Benz-Denkmal direkt an der Augustanlage. Der Karlsruher Carl Friedrich Benz, der nach seinem Ingenieursstudium nach Mannheim zog, ist der Erfinder des ersten motorisierten Automobils. Allerdings erfuhr er anfangs nur Hohn und Spott für seine Idee. Allein seine Frau Bertha hielt stets zu ihm und glaubte fest an seine Vision. Im August 1888, wenige Tage nachdem Benz die 1. Fahrerlaubnis der Welt erhielt, unternahm sie mit den Söhnen die erste Fernfahrt mit dem Motorwagen. Sie besuchte von Mannheim aus Ihre Familie im 100km entfernten Pforzheim und brauchte für die Strecke knapp 13 Stunden! Mit der Erfindung gelangten die Eheleute zu etwas Geld und bezogen ein Haus im nahegelegenen Ladenburg. Dort in den ehemaligen Werkstätten befindet sich heute das sehenswerte Automuseum Dr. Carl Benz. Ein Besuch nebst Spaziergang durch die wirklich schöne Altstadt Ladenburgs lohnt sich! Immer am Neckar entlang wird auch diese Fahrt zu einem weiteren, tollen Tagesausflug auf dem Rad!  

3. Streckenabschnitt der Route: Im Stile der Jugend

01   Mannheimer Kunstverein am Carl-Reiß-Platz

02   Altes Postamt in der Seckenheimerstraße 65-67

03   Seckenheimerstraße 

04   Richard-Wagner-Straße

05   Heilig-Geist-Kirche in der Moltkestraße 14

06   Kunsthalle am Friedrichsplatz

07   Benz-Denkmal auf der Augustaanlage/Friedrichsplatz

        Ziel / Wasserturm am Friedrichsplatz

 

 

Reine Fahrtzeit der gesamten Strecke: ca. 1 Std. und 30 Min.

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